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Emmeline P. ist „not amused“

Lesbenwohnprojekt schließt Lesbe von Eröffnung aus

Bild: TERF is the New Punk T-Shirt von Louise Distras
Bild: TERF is the New Punk T-Shirt von Louise Distras und TERFIsTheNewPunk

Autorin: Emmeline P.

Von der Eröffnung eines Wohnprojekts für Lesben mit * wurde eine Lesbe ausgeschlossen, weil sie ein T-Shirt mit der Aufschrift „Terf is the new Punk“ trug. Frauenheldinnen-Mitglied Emmeline P. hat sich mit dem Rauswurf in einer bitterbösen Glosse auseinandergesetzt.

Goodness! Ich kann nicht glauben, was mir meine Tochter Christabel gerade vorliest. Bei der Eröffnung eines „inklusiven“ – was auch immer das heißt – Lesbenwohnprojekts in Berlin wird eine Frau aus dem Saal geworfen. Von einem Awareness-Team heraus gedrängt. Auf dem Foto eine ältere Lady, die sich auf eine Gehhilfe stützt. Sie trägt ein Shirt mit einem Portrait von mir und dem Slogan „Terf is the new Punk“. Ich finde, ich bin auf dem Foto sehr gut getroffen und es ist mir eine Ehre, hier Patin zu stehen. Deshalb melde ich mich zu Wort.

Ich weiß, was Punk ist. So etwas wie Aufruhr und Randale. Musik in meinen Ohren. Das passt bestens zu uns Suffragetten und klingt fast so wie „Pank“- hurst! Laut und stark wie unser „March of the Women“, wenn wir durch London ziehen: „Shout, shout, up with your song“. Diese stolze Hymne hat unsere Weggefährtin „Dame Ethel Smyth“ komponiert. Übrigens auch eine Homophile, daran lässt sie nie einen Zweifel.

Aber warum „terf“? Terf, erklärt mir Christabel, ist eine Wortschöpfung der „Queers“. Queers wiederum sind weltweit agierende, ungehobelte Individuen, die nicht nur Terfs bekämpfen. Sie scheinen alle Frauen liebenden Frauen zu hassen, die sich selbst genug sind, ganz so wie meine geliebte Tochter Christabel. Queers waren es auch, die diesen Schimpfnamen erfunden haben. Er bedeutet „Trans exclusionary Radical Feminist“. Weil diese „terfs“ in ihren Augen überhaupt die schlimmsten Feinde der sogenannten sexuellen Inklusion sind, lassen sie sie mit Dreck bewerfen, öffentlich als Scheißhaufen betiteln, von den Universitäten entfernen. Sie fordern sie sogar dazu auf, einen „Huge Trans-Cock“ zu lecken. Goddess, how disgusting, sind die Sitten bei euch verroht. Im höchsten Maße ordinär. Widerlich!  

Realität auf den Kopf gestellt

Hierzulande wissen wir, den Deutschen gehen in ihrer Radikalität und Abseitigkeit gern mal die Pferde durch. Neuerdings wird alles auf den Kopf stellt, Widerspruch wird nicht geduldet. Gepredigt wird Vielfalt und Toleranz – heraus kommt das Gegenteil. Da wird zusammengeworfen, was nicht zusammengehört. Und überall regnet es Sterne. Haben die Deutschen in ihrer Geschichte nicht schon genug Unfug mit Sternen angerichtet? Heute wird Frau und Lesbe nur noch mit Stern geschrieben, weil angeblich die vielen anderen gefühlten Geschlechter nicht verletzt werden sollen. Was ist das wieder für ein Unsinn? Christabel behauptet sogar, dass im deutschen Parlament beschlossen wurde, dass sich Männer jederzeit zu Frauen erklären können, sogar zu Lesben. Darüber bin ich not amused, not at all!

Wenngleich, umgekehrt wäre das doch gar nicht schlecht. Theoretisch. Wir Suffragetten erklären uns zu Männern und zack sind wir im Parlament! Ohne lebensgefährliche Aktionen, ohne Gefängnis, ohne Zwangsernährung. Wir sagen: „Ich bin ein Mann“, und schon sind wir drin. Den Aufruhr möchte ich erleben. Ich schwöre, keine zwei Stunden später säßen wir im Holloway1 oder gleich in der Klapsmühle. Außerdem, im Gegensatz zu Euren Abgeordneten in Berlin, wüssten doch unsere Leute genau, was eine Frau und was ein Mann ist, oder? Christabel meint, dass Briten heute diesbezüglich auch nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Auch sie bringen ständig XX und XY durcheinander. Ja, das Bildungsniveau lässt auch bei uns sehr zu wünschen übrig.

Warum ist niemand aufgestanden?

Was hat aber nun diese Schwester verbrochen, dass ihr gleich drei – nennen wir sie Personen – bis zur Toilette folgten und sie bedrängten, ihr Shirt auszuziehen? „Terf ist the new Punk“ – was ist daran verkehrt? War sie nackt, hat sie obszön gestikuliert? Hat sie mit ihrem Gehstock herumgefuchtelt? Nichts dergleichen. Kann bei euch eine Frau nicht mehr anziehen, was sie will? Ich erinnere mich gut an wirklich schockierende Fotos aus eurem Bundestag, als eine dieser „neuen“ Frauen in Lederrock und schwarzem Netz-Top posierte. Kein Ordnungsruf! Schreitet jemand ein, wenn beim CSD unverhüllt männliche Genitalien präsentiert werden, oder in Kindergärten Dragqueens ihre künstlichen Brüste zeigen?

Aber diese einzelne, ältere, korrekt gekleidete Lady wird aus einer den Lesben gewidmeten Veranstaltung geworfen wie eine Verbrecherin und draußen der Polizei übergeben. Und alles wegen „Terf“, eines Begriffs, den nicht sie geprägt hat, sondern diejenigen, die sich nun von diesen vier Buchstaben tief verletzt fühlen. Also, den dreifachen Salto muss man doch erst mal hinkriegen.

Liebe Schwester, lass Dich nicht unterkriegen. Wir Suffragetten kennen das. Wir erleiden diese Gewalt tagtäglich. Es ist nichts anderes, als eine böswillige Demonstration der Macht, ein Versuch, dich und deinesgleichen einzuschüchtern.

Eins aber – und da solltet ihr jetzt meine Stimme hören, die immer schärfer und lauter wird – treibt mir die Zornesröte ins Gesicht: Warum ist keine aufgestanden? Warum hat sich nicht gleich ein Schutzwall von Frauen um diese wunderbare, mutige Lesbierin geschlossen? Warum hat keine „Nein,“ gesagt, „die bleibt hier“. Warum flogen keine Tomaten?  

Das, liebe Schwestern aus Deutschland, das würde es bei uns nicht geben! Mit Zähnen und Klauen, Kratzen und Beißen würden wir Dich verteidigen. Außerdem, noch in der gleichen Nacht würden die Fetzen fliegen. Darauf könnt ihr euch verlassen.

Ihr Frauen in Deutschland, warum seid ihr so feige? Mehr Mut, mehr Lebenslust, mehr Randale! Ich bin vielleicht alt, aber nicht von gestern. Höchstens ein bisschen antiqueert!

Eure Emmeline P.


Das T-Shirt ist erhältlich bei Louise Distras oder dem Account TERFIsTheNewPunk auf X.


Quellen

  1. Ehemaliges Londoner Gefängnis ↩︎

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