Adieu Begine
Der Niedergang exklusiver Frauenräume

Die Begine ist die letzte exklusive Frauenkneipe in Berlin mit 40-jähriger Geschichte und in dieser Form demnächst selbst Geschichte. Sie wird demnächst kein Ort mehr allein für Frauen sein, berichtet unsere Mitfrau Irene Kosok.
Die Begine ist organisatorisch aufgeteilt in Kneipe und Kulturbereich. Für die Kneipe steht in Kürze ein Betreiberwechsel an. Am 28. August 2026 stellte sich die neue Betreiberin dem interessierten Publikum vor, um den herumwabernden Schließungsgerüchten ein Ende zu bereiten. Nein, geschlossen wird nicht, vielmehr geöffnet für nahezu jeden. Die Betreiberin diskutierte längst nicht mehr über freien Zugang für Trans und Queer, sondern nur noch über den Zugang für „Cis-Männer“.
Ich stellte die Frage, ob Frauen wie ich, mit einem binären Geschlechtsverständnis überhaupt noch willkommen oder geduldet seien. Doch meine Frage wurde einfach nicht beantwortet, wie eigentlich alle Fragen. Die wurden nur gesammelt und anschließend wurde ausschweifend an den sehr konkreten Anliegen vorbeigeredet.

Öffnung der Begine für Männer, die sich als Frauen identifizieren
Als Erstes wurde behauptet, die Öffnung der Begine gemäß Selbstidentifikation sei zwingend erforderlich, weil sonst die Förderung durch den Senat für den Kulturbereich wegfalle. Das sei nun mal der Zeitgeist; exklusive Männerräume seien genauso davon betroffen. Im Prinzknecht (eine Schöneberger Schwulenbar) gebe es jetzt auch FLINTA-Abende (FLINTA = Frauen, Lesben Intersexuelle, Nonbinäre, Trans, Agender = Personen, die das Konzept Geschlecht ablehnen). Bei einer kurzen Internetrecherche konnte ich jedoch keine derartigen Termine ausfindig machen. MEN ONLY prangte schon in der Google-Beschreibung, auch von MSINTA (Männer, Schwule usw.) analog zu FLINTA ist nicht die Rede.
Das könnte zum einen daran liegen, dass der Prinzknecht gar keine Fördergelder vom Senat bekommt, aber dann wäre die Geschichte ja eine glatte Lüge. Zum anderen wäre auch denkbar, dass der Prinzknecht für Transmänner (also Frauen, die sich als Männer identifizieren) schlicht unattraktiv ist und deshalb noch niemand unter Berufung auf SBGG und AGG Einlass begehrt und mit Klage gedroht hat. Selbstredend hat man dort null Interesse, schlafende Hunde zu wecken – im Gegensatz zur Begine, wo man sich in vorauseilendem Gehorsam der Queerideologie unterwirft, in der Hoffnung auf zahlungskräftige Kundschaft. Ob der Zugewinn aus dem queeren Volk den Verlust der lesbischen Stammkundschaft ausgleichen kann, wird die Zukunft zeigen. Ich kenne schon jetzt einige, die wegen dieser Unterwerfung nicht mehr dort hingehen.

Alles neu, alles toll. Wirklich?
Wenig später war Fördergeld mitnichten der Grund, sondern die Öffnung genau so gewollt, denn man kann ja niemandem von außen ansehen, als was sich die Person identifiziert. Ältere wie auch jüngere Lesben, die quasi um ihren Safe Space bettelten wurden reihenweise vor den Kopf gestoßen. Leben ist Veränderung und sie sollen doch erstmal abwarten, wie toll das alles werde unter neuer Ägide. Als Leckerli gab es die Aussicht auf zukünftige FLINTA-Partys, ja richtig gelesen, Frauenpartys standen gar nicht zur Diskussion.
Eigene Meinung? Unerwünscht
Zwischendurch hatte ich das Gefühl einem woken Demütigungsritual beizuwohnen. Eine ältere Frau warf schüchtern und mit ungeschickter Wortwahl ein, dass sie sich diskriminiert fühle, wenn Adefra, ein Verein schwarzer Frauen, weiße exkludiert. Es erhob sich ein Sturm der Entrüstung, woraufhin sie umgehend zurückruderte und sich händeringend entschuldigte. Darauf wiederum sprang die neue Betreiberin, selbst POC, auf sie zu und lobte sie überschwänglich für den Kotau. Exklusivität für biologisch determinierte Gruppen ist also akzeptabel, mehr noch, Kritik daran schier unmöglich, solange es um Hautfarben geht, aber wehe Frauen als potenzielle Produzentinnen großer Gameten wollen unter sich bleiben. Ich wette, die Selbstidentifikation der Hautfarbe reicht nicht aus, um Zutritt in die Gruppe bekommen, anders als bei der Frage nach dem Geschlecht.
Ich wurde explizit aufgefordert, nichts von dem Gesagten nach außen zu tragen, weil ich beim letzten Mal im November 2025 ja so einen fiesen „Shitstorm“ entfacht habe. Ein Sturm im Wasserglas bei Facebook und X. Immerhin hat unser Berliner Queerbeauftragter Alfonso Pantisano mich wahrgenommen und als Bedrohung für seine fragile Männlichkeit identifiziert. Ob er den Begine-Frauen deshalb mit dem Entzug von Fördergeldern gedroht hat, kann ich natürlich nicht sagen, aber warum sonst ist es so wichtig, dass das, was in der Begine gesagt wird, in der Begine bleiben muss? Gerne hier zum Nachlesen:
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Als happy Hete ficht es mich persönlich ja nicht weiter an, wenn Mannsvolk im Raum ist, aber diese verzweifelten Frauen, die ihre Gewalttraumata ins Feld führten, um zu begründen, warum ihnen ein Raum ohne Männer, egal ob cis, trans oder nonbinär, so wichtig ist, tun mir wirklich unendlich leid. Eine sprach davon, dass sie sehbehindert sei und schon der raumgreifende Habitus von Männern sie einschüchtere, sie diesem aber aufgrund ihrer Behinderung schlecht ausweichen könne. Auch dieser Einwand wurde einfach nur zur Kenntnis genommen.
Die nächste „Diskussionsrunde“ zum Generationswechsel soll ausgerechnet am 7. Oktober stattfinden. Der Einwand, dass der Termin unglücklich gewählt sei, wurde natürlich auch geflissentlich ignoriert. Es würde mich nicht wundern, wenn sich dort in Kürze die Queers for Palestine träfen. Schon jetzt wussten einige Frauen an den Nachbartischen nichts mit dem Datum anzufangen. War da was? Tag der deutschen Einheit?
Kein Platz mehr für Frauen
Warum rege ich, als heterosexuelle Frau ohne Gewalterfahrung, mich über den Wegfall von Schutzräumen für Frauen auf? Weil es uns alle angeht. Weil alle Frauen, die sich der queeren Agenda verweigern, ausgegrenzt werden. Lesben sind einfach nur die Kanarienvögel im Stollen, es trifft sie zuerst. Unsere Frauenheldinnen/Netzwerk Frauenrechte Städtegruppe hat übrigens auch keinen Raum mehr. Das Café Pink, für Mädchen* und junge Frauen*, das wir seit Jahren, damals noch als Terre-des-Femmes-Städtegruppe, einmal im Monat unentgeltlich nutzen durften, hat leider keine Kapazitäten mehr für uns frei. Ein Schelm, wer andere Gründe vermutet.
Sieht so aus, als müssten wir Frauen ohne * in den Untergrund gehen. Die Städtegruppe trifft sich jedenfalls erstmal konspirativ bei mir zu Hause.
Sollte unter den geneigten LeserInnen hier jemand heiße Tipps für terfige Lokalitäten in Berlin und anderswo haben, oder sogar selbst eine zur Verfügung stellen wollen, lasst es uns wissen: info@frauenheldinnen.de

Blanca says:
Das Thema „Frauenräume“ ist nicht genug sichtbar, meine Meinung nach. Viele junge Frauen, die nicht dessen Notwendigkeit und deren Aktivitäten kennen gelernt haben, halten es für überwunden, altmodisch… und sogar dikriminierend.
Vielen Dank für den Artikel. Auch finde ich beschämend für die Frauen von das Projekt Beginne, dass sie sich vereinnahmen lassen, und diese gravierende Änderung von einem Mann bekannt geben lassen. Als wären wir in der USSR kommt ein Funktionär, mänlich, und bestimmt über Frauenräume!
Corry Finné says:
Hallo. Danke an Irene für den superBeitrag bezgl. der Begine. Ich bin soweit das ich mich selber als TERF bezeichne und finde es unsäglich was in diesem Land grad abgeht. Ich bin Cis+Lesbe und nicht ein L unter allen Queers. Ich habe an die Frauenheldinnen letzten Oktober 50€ gespendet für die tolle Arbeit die Ihr macht. Ich wollte mich anmelden für den Newsletter aber meine Email Adresse wurde nicht akzeptiert. Warum? LG Corry
Christiane Härdel says:
Danke für den Bericht mit Fotos: Die Begine gibt`s seit 1986 und war seitdem eine FrauenLesben-Kulturkneipe, NICHT Trans und NICHT queer, das ist erst die Entwicklung der letzten 3 Jahre.
Noch ein Hinweis zum Thema „Lesben“: Ein weiteres Lesbenprojekt in Berlin hat sich unsäglich in Richtung QUEER verabschiedet: Das Wohnprojekt des RuT, nachzulesen auf der LAZ-Website…
Corry Finné says:
Ja, es hat mich auch frustriert als ich wahrnahm das bei allen Reden nie das L Wort vorkam sondern nur noch queeres vertreten wurde. Das hätte ich noch vor 2 Jahren nicht für möglich gehalten . Männlich sozialisierte Transfrauen übernehmen unsere Räume so unsensibel selbstverständlich. Lasst uns Terfs zusammenschließen und in Massen die Schwulenräume besuchen und die fickenden Männer in den Darkrooms anglotzen.