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Wie Mythen Einzug in die Wissenschaft halten

Was haben eine wandernde Gebärmutter, ein Dämon und eine Genderidentität gemeinsam?

Bild: KI-generiert

Glaubst du an herumwandernde Gebärmütter oder Dämonen, die Menschen besessen machen? Wahrscheinlich weder an das eine noch an das andere. Doch noch vor gar nicht langer Zeit galten diese Mythen als seriöse wissenschaftliche Erklärmodelle für medizinische Leiden. Auch die „Genderidentität“ ist ein moderner Mythos, nur sind sich viele darüber nicht im Klaren.

Alle drei Mythen entstanden nach demselben Muster: Echtes Leid wird mit einer einfachen, kulturell passenden Erklärung versehen. Akademische Autorität, soziale Dynamik, Looping-Effekte1, moralische Überhöhung und institutionelle Macht sorgen für die Verbreitung. Das Leid ist real. Die Erklärung ist der Mythos. Eine „Behandlung“ folgt dem Mythos, nicht der Evidenz.

Die gute Nachricht vorweg: Man kann Mythen zu Fall bringen. Und es wird auch mit dem aktuell virulenten Mythos von einer „Genderidentität“ gelingen.

Die wandernde Gebärmutter: 2.000 Jahre Irrtum

Im alten Ägypten und bei Hippokrates entstand die Idee, die Gebärmutter sei ein eigenständiges Wesen, das bei „Trockenheit“ durch den Körper wandere und Hysterie verursache. Die „Heilung“: Räucherungen, Ehe, Kinder. Die Theorie hielt sich über 2.000 Jahre, bis Anatomie und Neurologie sie im 17./18. Jahrhundert widerlegten.2

Dämonenbesessenheit: Soziale Epidemien

Im 16. Jahrhundert wiesen Nonnen in Klöstern Krämpfe auf, sprachen in fremden Stimmen und zeigten sexuelle Enthemmung. „Der Teufel ist in sie gefahren!“, hieß es als Erklärung. Ganze Gruppen wurden zu „besessen“ erklärt. Heute nennen wir es massenhysterische oder psychogene Massenerkrankung – reale Symptome, hervorgerufen durch Stress und soziale Imitation, verstärkt durch das kulturelle Narrativ.3

Der moderne Mythos: Die angeborene Genderidentität

In den 1950/60er Jahren entwickelte der Endokrinologe und Sexualreformer Harry Benjamin4 aus Beobachtungen und Erzählungen von Betroffenen die medizinische Kategorie einer „Transsexualität“ und eine damit verbundene „Genderidentität“, die Robert Stoller,5 ein Psychiater und Psychoanalytiker, als feststehenden Begriff etablierte. Aus den sehr seltenen Empfindungen von Menschen mit einer Geschlechtsentwicklungsstörung (DSD6) und einer seltenen sexuell motivierten Störung von Männern7 konstruierte er eine angeborene „innere Essenz“, die ein jeder habe und die von dem Köper abweichen könne. Quasi eine „herumwandernde Gebärmutter“, die Leid verursache. In den 1960ern entstanden aufgrund dieser vermeintlichen Erkenntnisse die ersten universitären Genderkliniken in den USA und 1979 gründete sich die Harry Benjamin International Gender Dysphoria Association (später in WPATH8 umbenannt). Die angebotene Lösung: gegengeschlechtliche Hormone und plastische Operationen.

Was folgte war eine steile Karriere des Mythos. Seit etwa 2010 explodiert die Zahl der Betroffenen vor allem bei Mädchen nach der Pubertät,9 die sich eine abweichende Genderidentität zuschreiben. Die Erzählung lautet: „Du bist im falschen Körper geboren. Deine Genderidentität ist dein wahres Ich. Affirmation rettet Leben.“

Vereine und Verbände wie die WPATH verliehen mit ihren „Standards of Care“ und mit der Diagnose „Geschlechtsdysphorie“ im DSM-5 der American Psychiatric Association (APA) dem  Mythos einen wissenschaftlichen Anstrich, der bei genauerem Hinsehen rasch zerfällt.10

Und doch entwickelte sich rund um diese Idee über Jahrzehnte ein aufwändiges sprachliches Konstrukt, z. B. Fantasiekategorien (cis/trans) und Fantasiepronomen (wie they/them oder xier/xiem. Auch Bedeutungsverschiebungen von Worten wurden vorgenommen. Diese ziehen sich– versehen mit Labeln wie „divers, inklusiv und progressiv“ – inzwischen durch nahezu alle gesellschaftlichen Themen und Institutionen. Ausgestattet mit Ressourcen und institutioneller Macht wird dieser Mythos verteidigt und missioniert.

Die Motive von Verteidigern dieser Idee in der Medizin, der Politik, den Medien und in der Zivilgesellschaft sind vermutlich vielfältig: Manchen geht es sicher eher um echte, wenn auch fehlgeleitete Überzeugung und den Wunsch, vermeintlich Benachteiligte zu schützen. Andere wiederum handeln vermutlich aus Eigeninteressen – Karriere, Reputation, Fördergelder und lukrative Verträge mit Pharma- und Klinikindustrie. Wieder andere fürchten die soziale Ächtung oder den Verlust von Machtpositionen, sobald sie vom offiziellen Narrativ abweichen. Und nicht wenige genießen wahrscheinlich schlicht ein Gefühl moralischer Überlegenheit und die Kontrolle über Sprache und Denken, wenn sie andere auf vermeintliche „neue Erkenntnisse“ oder „richtige“ Bezeichnungen hinweisen. Nicht zu vergessen die, die selbst in ihrem Familien- oder Bekanntenkreis Kinder oder Jugendliche diesen „Behandlungen“ zugeführt haben und es schon emotional gar nicht zulassen könnten, dies sei lediglich aufgrund eines Mythos geschehen.

Was als Mitgefühl und dem Wunsch zu „helfen“ begann, ist für viele längst zu einem identitätsstiftenden, einträglichen und machtsichernden Projekt geworden.

Über die Motive derer, die die Mythen in die Welt gesetzt haben, kann man nur spekulieren. Darüber, ob es der Anspruch der Kirche war, Frauen als einen „unvollständigen Mann“ zurückzudrängen oder Allmachtsphantasien von Ärzten, die gottgleich die Welt erklären oder in Frankenstein-Manier das „Fleisch überwinden“ wollten, gehen die Meinungen auseinander. Feststeht, dass es auch in der Zeit der Hexenverfolgung unklug war, sich der Behauptung eine Frau sei von einem Dämon besessen, zu widersetzen. Man setzte sich selbst der Gefahr der Verfolgung aus. Und so ähnlich ergeht es auch jedem, der sich heute der Vorstellung einer „Genderidentität“ verweigert.

Persistenz und der gefährliche Irrglaube der „Bestätigung“

Manche Fälle von Leid sind persistent – und genau das wird gern als Beweis für die „Echtheit“ der Erklärungsmodelle angeführt. Doch Persistenz macht eine Fehlüberzeugung nicht wahr. Genau wie bei langjähriger Anorexie, paranoiden Wahnvorstellungen oder früherer Besessenheit: Je stärker man die  falsche Vorstellung bestätigt und verstärkt (durch soziale Bestätigung, Pronomen, medizinische Affirmation), desto tiefer verankert sie sich.

Bei Anneliese Michel11, einer jungen Studentin aus Klingenberg am Main, die selbst fest davon überzeugt war, von Dämonen besessen zu sein, wurde der „große Exorzismus“ 67 mal durchgeführt. Sie starb dehydriert und unterernährt am 1. Juli 1979. Die tatsächlichen Ursachen für die Symptome (Temporallappen-Epilepsie, eine epileptische Psychose, eine bipolare Störung und Depressionen) wurden zwar erkannt, aber nicht bzw. nicht ausreichend behandelt, weil die Ursache für ihr Leid auf den Mythos einer Besessenheit verschoben wurde.

Statt die eigentlichen Ursachen – Trauma, Autismus, der Umgang mit der eigenen sexuellen Orientierung, Pubertätskrisen oder soziale Isolation – bei sogenannter „Transidentifikation“ zu behandeln, wird ein Symptom zementiert.
Die Illusion, man würde Betroffenen „helfen“, indem man ihre falsche Vorstellung bestätigt, ist der gefährlichste Teil dieses modernen Mythos. In Wahrheit führt diese „Hilfe“ oft zu iatrogenen, also durch die Behandlung von Ärzten zugefügten Schäden. Bei sogenannter „Transidentität“ zählen u. a. Unfruchtbarkeit, Osteoporose, gestörte sexuelle Funktion, lebenslange Medikation und spätere Reue dazu. Viele der angeblich „lebensrettenden“ Maßnahmen verstärken nur die Dissoziation vom eigenen Körper, statt echte psychische Gesundheit zu fördern.

Persistenz ist kein Beweis für Wahrheit – sie ist oft das Ergebnis intensiver sozialer und medizinischer Verstärkung.

Was bringt solche Mythen zu Fall?

Schlüsselfaktoren, um diese Mythen zu enttarnen, sind wissenschaftliche Erkenntnisse, um die im Ringen um Aufklärung und Ethik auch gestritten werden muss, sowie eine breite Öffentlichkeit und eine rechtliche Rahmung:

Bessere Wissenschaft:

Anatomie widerlegte die wandernde Gebärmutter. Psychologie erkannte die Massenhysterie. Heute zeigen die Cass Review (2024)12 und deutsche Versichertendaten (2024): Nur 36,4 % behalten die ohnehin umstrittene Diagnose nach fünf Jahren, bei Mädchen 15–19 Jahren nur 27,3 %13 14 – und das, obwohl der Mythos einer angeborenen „Geschlechtsidentität“ weiterhin gesamtgesellschaftlich aufrechterhalten und sogar in den Studien fortgesetzt wird. Die Evidenz für medizinische Transition bei Jugendlichen ist „remarkably weak“.15

Bessere Kommunikation:

Klar und unideologisch sagen, was ist – besonders die Medien sind hier gefordert, doch das Gleiche gilt innerhalb der Wissenschaft selbst. So fordern aktuell niederländische Psychologen und Mediziner eine Überprüfung des Mythos „Genderidentität“ mit der Frage: „Was behandeln wir eigentlich?“16

Bessere Politik:

In der deutschen Politik scheint man sich des Umstands und des Ausmaßes dieses neuen Mythos nicht einmal bewusst. In Deutschland werden politische Einflussmöglichkeiten bewusst außer Kraft gesetzt, indem z. B. die Gesundheitsministerin Nina Warken offenbar sogar vom Bundessozialgericht vorgeschriebene evidenzbasierte Methodenbewertungsverfahren für eine Kassenzulassung einfach auslässt.17
Anders in den USA: Im Juni 2026 klagte die Verbraucherschutzbehörde US-FTC mit mehreren Bundesstaaten gegen WPATH, die international als führend angeführte Organisation für sogenannte „Transgendergesundheit“ wegen irreführender Behauptungen18 19. WPATH habe wissentlich falsche und unbelegte Behauptungen zu Pubertätsblockern, Hormonen und Operationen bei Minderjährigen verbreitet. Die Organisation habe Ärzten und Kliniken die Grundlage geliefert, Eltern irrezuführen („lebensrettend“, „evidenzbasiert“, reversible Behandlung etc.). WPATH-Mitglieder hätten davon finanziell profitiert.
Es geht also, dass Politik sich einmischt, um Mythen zu dekonstruieren. Der Ausgang des Verfahrens wird mit Spannung erwartet.

Fazit

Aufklärung braucht Daten, Mut, die Bereitschaft zur kritischen Auseinandersetzung und das Verlernen ideologisierter Sprache.  Wir helfen Betroffenen nicht, indem wir ihnen erzählen, ihr Körper sei falsch – keinem von ihnen. Wir helfen, indem wir das echte Leid ernst nehmen, diesen modernen Mythos entlarven und eine echte aufgeklärte Debatte führen und politisch und ethisch entsprechende Rahmen setzen.

Die Geschichte zeigt: Solche Mythen halten sich lange – bis die Realität sie einholt.


Quellen

  1. https://psychotherapie.tools/expertise/blog/wenn-aufklaerung-symptome-verstaerkt-der-looping-effekt-in-der-psychotherapie ↩︎
  2. https://www.emma.de/artikel/krankheit-frau-339997 ↩︎
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Besessenheit ↩︎
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Benjamin ↩︎
  5. https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Stoller ↩︎
  6. https://en.wikipedia.org/wiki/Disorders_of_sex_development ↩︎
  7. https://de.wikipedia.org/wiki/Transvestitischer_Fetischismus ↩︎
  8. https://de.wikipedia.org/wiki/World_Professional_Association_for_Transgender_Health ↩︎
  9. https://transteens-sorge-berechtigt.net/486-transgender-diagnosen-zahlen-und-fakten.html ↩︎
  10. https://www.youtube.com/watch?v=GLDDrGCTOp0 ↩︎
  11. https://de.wikipedia.org/wiki/Anneliese_Michel ↩︎
  12. https://cass.independent-review.uk/home/publications/final-report/ ↩︎
  13. https://www.aerzteblatt.de/archiv/239555/Stoerungen-der-Geschlechtsidentitaet-bei-jungen-Menschen-in-Deutschland-Haeufigkeit-und-Trends-2013-2022 ↩︎
  14. https://segm.org/gender-dysphoria-diagnosis-desistance-germany ↩︎
  15. https://www.bbc.com/news/health-68863594 ↩︎
  16. https://www.trouw.nl/opinie/opinie-onvrede-met-je-geslacht-kan-komen-en-gaan~b212206e/ ↩︎
  17. https://was-ist-eine-frau.de/frau-warken-warum-sollen-wir-das-zahlen/ ↩︎
  18. https://www.reuters.com/world/us-ftc-sue-transgender-health-nonprofit-over-youth-care-standards-2026-06-17/ ↩︎
  19. https://www.ftc.gov/news-events/news/press-releases/2026/06/ftc-states-sue-world-professional-association-transgender-health-over-deceptive-claims-regarding-treatment-children ↩︎

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  • Wundertussi

    In ihrer Kolumne geht die auf X bekannte Wundertussi ihrer Leidenschaft nach: Die kafkaesken gesellschaftlichen Entwicklungen rund um das Thema "Frau" zu kommentieren. Sie malt ihre Texte mit Analogien, Metaphern und manchmal schlicht mit brutaler Klarheit. Sie wundert sich nicht, sie ärgert sich. Und so ärgert es sie auch, dass sie ihre wahre Identität nicht preisgeben kann, ohne reale Risiken einzugehen.

    Wundertussi (@wundertussi) auf X

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