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FiF – eine Partei nicht nur für Frauen

Ein Strandkorb. Zehn Stunden. Der Anfang von etwas Größerem

Bild von gefrorene_wand auf Pixabay
Bild von gefrorene_wand auf Pixabay

Eine neue Partei zu gründen, ist eine Herausforderung. Dennoch haben sich Hourvash Pourkian und Ute Lefelmann-Petersen auf den Weg dahin gemacht. Daraus entstanden ist FiF – Frau in Führung – Frau. Leben. Freiheit., die die beiden Gründerinnen auch als Start einer neuen internationalen Frauenbewegung sehen.

Manchmal beginnt Geschichte nicht in Parlamenten. Nicht auf Parteitagen. Nicht unter Scheinwerfern. Manchmal beginnt sie in einem Strandkorb.

Ein kleiner Garten. Sommer 2023. Zwei Frauen. Zehn Stunden Zeit. Eine Mittagspause. Dazwischen unzählige Gedanken, Zweifel, Skizzen, verworfene Ideen und neue Ansätze. Immer wieder flogen die Gedanken wie Bälle zwischen ihnen hin und her. Eine stellte eine Frage, die andere dachte sie weiter. Ein Satz wurde verworfen, ein anderer wurde zum Fundament. Aus einer Idee entstand die nächste. Aus Widerspruch entstand Klarheit.

Als sie an diesem Abend aufstanden, war etwas entstanden, das größer war als beide selbst.Es war nicht nur der Entwurf einer Partei. Sondern die Vision einer neuen internationalen Frauenbewegung.

Heute, ein Jahr später, wissen wir, dass an diesem Tag im Strandkorb, der zu einem langen Abend wurde, die Geschichte von FIF begann, der Partei Frau in Führung – Frau. Leben. Freiheit.

Der Moment, der alles veränderte

Der eigentliche Anfang dieser Szene ist schon viel früher zu verorten: 2022 blickte die Welt auf den Iran. Millionen Menschen sahen Frauen, die ihre Kopftücher abnahmen, ihre Stimmen erhoben und unter Lebensgefahr „Frau – Leben – Freiheit“ riefen. Frauen, die wussten, dass Protest Gefängnis, Folter oder den Tod bedeuten konnte – und trotzdem auf die Straße gingen.

Diese Bilder hatten auch in Europa etwas verändert. Sie machten sichtbar, dass Frauenrechte niemals selbstverständlich sind. Dass Freiheit immer wieder verteidigt werden muss. Dass die Unterdrückung von Frauen kein kulturelles Phänomen ist, das man aus Respekt vor religiös motivierten Traditionen hinnehmen darf, sondern eine Verletzung universeller Menschenrechte.

Aus dieser Erkenntnis war auch in unseren Köpfen eine Frage entstanden, die sich nicht mehr verdrängen ließ: Reicht Solidarität mit Frauen? Oder braucht es politische Strukturen, die Frauenrechte dauerhaft schützen?

Wir zwei Gründerinnen von FIF -Frau-Leben-Freiheit kamen zu der Überzeugung, dass es Strukturen brauche.

Zwei Biografien. Eine Überzeugung.

Mit uns beiden saßen an jenem Abend zwei Frauen im Strandkorb, deren Werdegang unterschiedlicher kaum hätte sein können.

Hourvash Pourkian ist Tochter eines äußerst progressiven, an europäischen Werten orientierten iranischen Vaters, der seine Familie in den 1980iger Jahren vor dem Mullah-Regime in Sicherheit brauchte.

Mit ihm, Human Pourkian, zusammen schrieb sie Jahre später das aufrüttelnde Buch „Macht macht müde Frauen munter – Der Machtanspruch der Frau im 21. Jahrhundert und warum Männer dabei nicht(s) verlieren“. Diese Buch ist ein visionärer Aufruf an Frauen, sich selbst zu ermächtigen und ihren gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft einzunehmen und ein Appell an die Männer, sich selbst zu entwickeln, damit sie ohne Angst ihren Platz an der Seite starker Frau einnehmen können.

Hourvash Pourkian ist geprägt durch ihre Erfahrungen als international vernetzte Frauenrechtsaktivistin und von dem jahrzehntelangen Kampf iranischer Frauen in der Diaspora gegen religiösen Totalitarismus und für den Aufbau einer säkularen Demokratie.

Ute Lefelmann-Petersen ist geprägt von den Gewalterfahrungen ihre Mutter und Großmutter durch russische Soldaten im zweiten Weltkrieg. Seit ihrer Schulzeit setzt sie sich auseinander mit der Rolle der Frau in patriachal organisierten Gesellschaften, arbeitet seit vielen Jahren als Coach und Trainerin u. a. in der interkulturellen Bildungs-  und Integrationsarbeit. Sie hat erlebt, wie unterschiedlich Frauen weltweit leben – und wie oft kultureller Relativismus dazu benutzt wird, die Unterdrückung von Frauen in den unterschiedlichen Kulturräumen zu entschuldigen und zu rechtfertigen.

So unterschiedlich wir waren, waren wir beide doch zu der Überzeugung gekommen: Frauenrechte sind universell. Sie gelten unabhängig von Herkunft, Religion oder Kultur. Und: Sie dürfen sie niemals kulturellen oder religiösen Rechtfertigungen untergeordnet werden.

Natürlich war uns vollkommen klar, dass dieser universelle Ansatz im derzeitigen medialen Klima nicht besonders populär war. Die politische Debatte in Europa war und ist noch immer von postkolonialen Denkansätzen und kulturrelativistischen Argumentationen geprägt, und Feministinnen, die sich für universell geltende Frauenrechte einsetzte, werden in ganz Europa immer wieder als Rassistinnen beschimpft.

Die aktuelle gesellschaftliche Strömung machte den universellen Ansatz nicht falsch, aber er schuf Herausforderungen für die Vermarktung und Vermittlung einer Bewegung mit diesem Ansatz. es war nur die Frage, wie wir ihn verbreiten konnten. So entstand in diesem Strandkorb ein anderer Gedanke: Nicht Unterschiede sollten im Mittelpunkt stehen, sondern das, was Frauen weltweit verbindet.

Nicht Identitätspolitik, sondern universelle Freiheitsrechte. Nicht die Frage, welche Kultur welche Regeln hat, sondern die einfache Überzeugung, dass keine Kultur auf der Basis archaischer religiöser Regeln und Traditionen das Recht besitzt, Frauen ihre Freiheit zu nehmen.

Damit hatten wir den Kern dessen definiert, was später das politische Selbstverständnis von FIF – Frau, Leben, Freiheit werden sollte.

Mehr als ein Parteistatut

Schon während dieser ersten Gespräche wurde deutlich, dass hier mehr entstand als das Statut einer politischen Organisation. Vielmehr entstand ein Konzept, das nationale Grenzen überschreiten konnte. Wir durchdachten mehrere Lösungen: FiF konnte eine politische Plattform bilden, die Frauen aus unterschiedlichen Kulturräumen miteinander verbindet, ohne ihre Erfahrungen gegeneinander auszuspielen. Auf jeden Fall sollte die Bewegung von iranischen, afghanischen, deutschen und vielen weiteren Frauen gemeinsam getragen werden können.

Vielleicht konnte FiF auch eine Art politisches Franchise-Modell bilden, dessen gemeinsamer Nenner weder Sprache noch Herkunft ist, sondern die kompromisslose Verteidigung universeller Frauenrechte und säkularer Demokratie.

Schnell kamen wir überein, dass nicht Deutschland im Mittelpunkt stehen sollte. Vielmehr galt es, von Deutschland aus eine international anschlussfähige Bewegung aufzubauen.

Aus Gedanken wird Realität

Soweit die hehren Ideen. Doch nach den aufregenden Stunden im Strandkorb begann die eigentliche Arbeit. Und sie war weit weniger romantisch, wie alle wissen, die schon einmal eine Organisation aufgebaut haben.

Programme mussten geschrieben werden, eine Satzung entstehen, rechtliche Anforderungen erfüllt werden. Wir mussten Mitglieder gewinnen und Landesverbände aufbauen. Es folgten unzählige digitale Sitzungen, Telefongespräche, Abstimmungen und Diskussionen. Immer wieder haben wir Texte überarbeitet, Positionen geschärft und Strukturen geschaffen. Was nach außen wie eine Parteigründung aus einem Guss aussieht, besteht in Wahrheit aus Hunderten ehrenamtlicher Arbeitsstunden mit zahllosem Kleinklein. In Wohnzimmern, an Küchentischen, zwischen Beruf, Familie und politischem Engagement formierte sich unsere Bewegung. Und genau hier geschah echte Demokratie.

Die Gründung

Im April 2025 ließ Hourvash Pourkian FIF – Frau in Führung – Frau. Leben. Freiheit. offiziell in Wiesbaden registrieren. Am 12. Dezember 2025 stellten sich die deutschen, iranischen und afghanischen Gründungsfrauen erstmals gemeinsam der Öffentlichkeit vor.

Die Resonanz war größer als erwartet. Deutsche Medien berichteten, ebenso zahlreiche Medien der iranischen Diaspora. Viele Frauen erkannten in FIF etwas, wonach sie lange gesucht hatten: eine politische Stimme, die Frauenrechte nicht relativiert.

Unsere politischen Grundlagen – unser Parteiprogramm

Von Anfang an war klar, worauf diese Partei aufbaut. Auf Säkularität, auf universellen Menschenrechten, auf der Trennung von Religion und Staat. Und auf den Freiheitsrechten, die Frauen in Europa über Generationen hinweg erkämpft haben. Diese Rechte verstehen wir nicht als westliches Privileg, sondern als universellen Maßstab menschlicher Freiheit.

Gerade deshalb widersprechen wir jeder politischen oder ideologischen Strömung, die Frauenrechte relativiert – sei es aus religiösen, kulturellen oder traditionellen Gründen. Kulturelle Vielfalt verdient Respekt. Unterdrückung verdient keinen kulturellen Rabatt.

Eine Bewegung keimt langsam

Heute, ein Jahr nach der offiziellen Gründung, befinden wir uns in der Keimphase. Erste neue Mitglieder kommen hinzu, internationale Kontakte entwickeln sich. Die politische Bildungsarbeit mit ersten Vorträge ensteht, und erste Landesverbände sind in Planung.

Unser strategisches Ziel haben wir fest im Visier: den Einstieg in die große Politik bei der nächsten Europawahl im Frühjahr 2029 zu vollziehen. Unser grundsätzliches Ziel reicht weit über die Wahlkämpfe hinaus. Es gilt, eine Bewegung aufzubauen, die Frauen aus unterschiedlichen Kulturen miteinander verbindet, statt sie in Identitäten voneinander zu trennen. Diese Bewegung versteht „Frau – Leben – Freiheit“ nicht als historische Parole, sondern als politischen Auftrag.

Wenn wir heute an den Strandkorb zurückdenken, sehe ich persönlich nicht zwei Frauen, die eine Partei gründen wollten, sondern zwei Frauen, die den Mut hatten, eine Frage neu zu stellen: Was wäre, wenn Frauenrechte endlich zum Ausgangspunkt von Politik würden – und nicht zu ihrem Nebenschauplatz?

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Artikel von

  • Ute Lefelmann-Petersen

    Die Gründerin der Beratungsagentur „Die Profillotsin“ unterstützt als Business Coach mit den Schwerpunktthemen Profilentwicklung und Führung sowie Cultural Awareness  vorzugsweise weibliche Führungskräfte .

    Als Interkulturelle Trainerin sowie Interkulturelle Mediatorin unterstützt sie Teams und Unternehmen in der betrieblichen Integrationsarbeit. Ihr Schwerpunkt liegt hierbei auf der kritischen Auseinandersetzung mit der jeweils individuellen kulturspezifischen Sozialisation.

    Seit 2015 engagiert sie sich projektbezogen in der Arbeit mit Geflüchteten, wobei ihr Augenmerk auf der Situation von zugewanderten Frauen in reaktionär-patriarchalen Gemeinschaften ruht.

    Sie ist stellvertretende Vorsitzende der Partei FIF-Frau in Führung. Frau, Leben, Freiheit.

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