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Leihmutterschaft global ächten

Breite Allianz und juristische Schritte gegen den Babykauf

Die Presse hat es breit aufgegriffen: Der Verein Frauenheldinnen geht juristisch gegen die Kinderwunschmessen vor. Warum das erst der Anfang ist — und wer alles mitstreitet.

Niedliche Babys hier, selbstlose »Bauchmütter« dort: Seit dem Fall Spahn versucht die mächtige Leihmutterschafts-Lobby massiv, das Narrativ der angeblich dringend zu legalisierenden Leihmutterschaft in die Medien zu drücken, um die öffentliche Meinung zu drehen; willfährige Journalistinnen und klägliche Gestalten wie die gescheiterte Verfassungsrechtlerin Brosius-Gersdorf soufflieren Stichworte. Dem stellen wir uns entschieden entgegen. Was als Herzenswunsch und Nächstenliebe verkauft wird, ist in Wahrheit ein Geschäft, das auf dem Leid von Frauen und Kindern aufbaut. Deshalb besteht die einzige wirkliche Lösung darin, Leihmutterschaft global zu ächten, genau wie die Sklaverei und den Organhandel.

Jens Spahns Babykauf in den USA und sein anschließender Rücktritt als Unionsfraktionsvorsitzender bieten die Chance, diese Wahrheit klarzustellen. Wer bisher irrtümlich annahm, Leihmutterschaft sei etwas Lobenswertes, wo selbstlose Frauen armen kinderlosen Paaren ein Baby schenken, hat jetzt die Möglichkeit, die Wahrheit zu erfahren.

Ein Milliardenmarkt, der als Nächstenliebe verkauft wird

Der globale Leihmutterschaftsmarkt ist ein Milliardengeschäft – Marktforscher taxieren ihn für das Jahr 2025 auf rund 28 Milliarden US-Dollar, mit jährlichen Wachstumsraten von mehr als zwanzig Prozent. Hier wächst kein Nächstenliebe-Projekt, hier boomt eine Industrie.

Widerstand 1: die Nachfrage austrocknen

Daher ist es beim Kampf für die Ächtung der Leihmutterschaft unerlässlich, diese Märkte und die Vertriebskanäle auszutrocknen. Der Verein Frauenheldinnen e. V. geht deshalb juristisch gegen sogenannte Kinderwunschmessen vor. Diese Messen sind der Ort, an dem kinderwunschgeplagte Paare – heterosexuell wie schwul – und Anbieter zusammenkommen – internationale Formate wie „Wish for a Baby“ und „Men Having Babies“ in Köln und Berlin. Wegen beider Messen laufen gegen den Veranstalter strafrechtliche Ermittlungen (Aktenzeichen Staatsanwaltschaft Berlin: 285 Js 1531/26; Aktenzeichen Staatsanwaltschaft Köln: 84 UJs 2337/25). Gegen Köln läuft ein Verwaltungsrechtsverfahren mit dem Ziel, Leihmutteragenturen von der Messe auszuschließen. (https://frauenheldinnen.de/wp-content/uploads/2026/07/20260720_Antrag_Stadt_Koeln_geschwaerzt_final_4.pdf)

Widerstand 2: die Strafrechtslücken schließen

Der nächste Schritt liegt beim Gesetzgeber: die doppelte Strafbarkeitslücke im deutschen Recht zu schließen. Wer hierzulande als Arzt oder Vermittler mitwirkt, macht sich strafbar – wer aber ins Ausland ausweicht und dort bestellt, geht straffrei aus. Wir fordern deshalb zwei Schritte: erstens eine Klarstellung im Adoptionsvermittlungsgesetz, die Anbahnung und Vermittlung auch dann erfasst, wenn sie von Deutschland aus organisiert oder beworben werden – das trifft die Agenturen und Messen. Zweitens eine extraterritoriale Strafbarkeit nach dem Vorbild Italiens, das die im Ausland beauftragte Leihmutterschaft seit November 2024 auch für die eigenen Staatsbürger unter Strafe stellt. Künftig zählte nicht mehr der Ort der Durchführung, sondern der Lebensmittelpunkt der Auftraggeber. Für Leute wie Spahn hieße das: Das straffreie Babyshoppen in den USA wäre beendet.

Widerstand 3: Eine breite Allianz gegen den Babykauf bilden

Der Gesetzgeber muss den Willen des Souveräns, also der Bevölkerung, umsetzen. Deshalb ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, dass all diejenigen, die sich bisher verstreut und vereinzelt skeptisch zur Leihmutterschaft geäußert haben, gemeinsam aufstehen – und sich bewusst machen, was für eine breite Allianz sie in Wahrheit sind.

Wenn man das gemeinsame Vorgehen zur Ächtung der Leihmutterschaft als Allianz ansieht, ist es wichtig, klarzustellen, dass dies eine punktuelle Allianz ist, eine „Single-Issue-Allianz“. Solche Allianzen haben, nebenbei bemerkt, Frauenrechtlerinnen zu allen Zeiten geschmiedet, um ein Ziel zu erreichen – man denke an den Kampf ums Wahlrecht. Es heißt nicht, dass wir plötzlich in allen Punkten mit diesen Playern einer Meinung sind, nur, dass wir es beim Thema Leihmutterschaft sind.

Wer mitstreitet

Zu nennen ist die feministische Urzeitschrift EMMA mit ihrer Herausgeberin Alice Schwarzer und insbesondere Redakteurin Annika Ross. Die Initiative Lasst Frauen sprechen, die seit Jahren vor Kinderwunschmessen demonstriert, Seite an Seite mit uns und dem Netzwerk Frauenrechte Nefra e. V. Die LGB Alliance, die nicht nur nicht vergessen hat, was eine Lesbe beziehungsweise eine Frau ist, sondern auch weiß, dass Leihmutterschaft Ausbeutung von Frauenkörpern ist. Die Organisation Just Gay, deren Gründer Florian Greller, ein schwuler Mann, sich dezidiert gegen Leihmutterschaft ausspricht. Bundesverdienstkreuzträgerin Prof. Dr. Monika Barz und Dr. Ingeborg Kraus, Traumatherapeutin und Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen.

Neu hinzugekommen sind einige aus ehemals linker Feministinnenperspektive eher unlikely alliances. Darunter die Bestsellerautorin und Chefredakteurin Birgit Kelle, die schon vor drei Jahren in ihrem Buch „Ich kauf mir ein Kind“ den Milliardenmarkt Surrogacy und seine unappetitlichen Schattenseiten seziert hat. Dann die ALfA – Aktion Lebensrecht für Alle, mit der wir in manchen Themen nicht, beim Thema Leihmutterschaft aber zu hundert Prozent auf einer Linie sind. Ebenso Sylvia Pantel, Geschäftsführerin der Stiftung für Familienwerte, die CDA und die CDU-Frauen Union.

Letztere rufen wir jetzt – siehe unseren offenen Brief – inständig auf, ihrer Bekräftigung des Leihmutterschaftsverbots endlich Taten folgen zu lassen und die Strafbarkeitslücken zu schließen, die Spahn und Konsorten das straflose Babyshoppen in den USA und anderswo ermöglichen.

Auf internationaler Ebene sind wir assoziiert mit der CIAMS zur Ächtung der Leihmutterschaft, wir haben die Casablanca Declaration unterzeichnet und kooperieren mit der Sprecherin Olivia Maurel, und wir teilen den Kampf von Reem Alsalem gegen die Leihmutterschaft. Die genannten Bündnispartner sind beispielhaft – es gibt noch viele weitere.

Die Agenda ist einfach

Die schlichte Agenda dieser breiten Allianz lautet: Leihmutterschaft ist eine Menschenrechtsverletzung — und daher zu ächten.

Unser nächster Schritt zur Umsetzung: dafür zu sorgen, dass die Kinderwunschmessen in Deutschland keine Leihmutterschaft mehr vermitteln.

Der Babyhandels-Lobby – vertreten etwa durch den 2017 gegründeten „Verein zur Förderung der Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland“ (VFLLD e. V.), dessen Co-Vorsitzender Tobias Devooght auf Messen und in Talkshows unermüdlich für die Freigabe agitiert – sei ins Stammbuch geschrieben: Nein, den Kinderkauf, vulgo Leihmutterschaft, zu verbieten, ist nicht prüde und nicht antiquiert. Es ist schlicht menschenwürdig.


MATERIAL & QUELLEN ZUR LEIHMUTTERSCHAFT

Zum Weiterlesen, Nachprüfen und Weitergeben — unsere Argumente, die juristischen Schritte und die internationalen Grundlagen.

Unsere Argumente & Forderungen

Unsere juristischen Schritte

Internationale Grundlagen

  • Casablanca-Erklärung für die weltweite Abschaffung der Leihmutterschaft — unterzeichnet von über 100 Fachleuten aus 75 Ländern  https://declaration-surrogacy-casablanca.org/
  • UN-Bericht von Reem Alsalem (14.7.2025) — Die UN-Sonderberichterstatterin über Gewalt gegen Frauen und Mädchen wertet Leihmutterschaft als Form von Gewalt und fordert ihre Abschaffung
  • CIAMS – Internationale Koalition für die Abschaffung der Leihmutterschaft  https://abolition-ms.org/en/home/

Zum Vertiefen

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Artikel von

  • Eva Engelken

    Eva Engelken ist Gründerin und Vorsitzende von Frauenheldinnen e.V. und verantwortet die Rechtshilfe und strategische Entwicklung des Vereins. Sie organisiert Kampagnen, Veranstaltungen und Projekte zu Frauenrechten, Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit und ist Gastgeberin der heroica – Konferenz für widerständige Frauen. Beruflich war sie viele Jahre in der strategischen Kommunikation und Beratung tätig. Sie schreibt im FrauenheldinnenMagazin vor allem zu Rechtshilfe, Kampagnen und frauenpolitischen Themen.

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