Anlässlich der „Aktionswochen gegen antimuslimischen Rassismus“
Hitzige Kundgebung der Frauenheldinnen auf dem Berliner Breitscheidplatz

Der 27. Juni war ein außergewöhnlich heißer Tag. Als wir gegen 12.30 Uhr begannen, Lautsprecher, Banner, Schautafeln und sehr viel Wasser über den Breitscheidplatz zu tragen, zeigte die Wetterstation Berlin-Dahlem bereits rund 34 Grad Celsius. Zum offiziellen Beginn der Kundgebung um 14 Uhr waren es etwa 36 Grad, beim Abbau schließlich 39 Grad – im Schatten. Die Bäume spendeten etwas Schutz, doch der Schweiß rann ununterbrochen. Beirren ließen wir uns davon jedoch nicht. Dafür war das Anliegen der Kundgebung zu wichtig.
Unter dem Motto „Freiheit für unsere Mädchen – Null Toleranz für Frauenfeinde“ hatten die Frauenheldinnen für Samstag, den 27. Juni 2026 zu einer Kundgebung aufgerufen. Anlass waren die bundesweiten Aktionswochen gegen „antimuslimischen Rassismus“, die vom 17. Juni bis zum 1. Juli stattfanden. Die Frauenheldinnen wollten dabei einen Kontrapunkt setzen – nicht gegen Muslime als Menschen, sondern gegen einen politischen Kampfbegriff, der nach unserer Auffassung dazu dient, notwendige Religionskritik und Kritik an islamistischen Ideologien als „Rassismus“ zu diffamieren. Dass wir damit nicht allein stehen, zeigen unsere Rednerinnen und Redner, unter anderem Seyran Ateş, Maral Salmassi und Alexander King.
Was war der Anlass der Aktionswochen?
Ausgangspunkt der Aktionswochen ist die Ermordung von Marwa El-Sherbini am 1. Juli 2009 im Dresdner Landgericht. Sie war dort erschienen, um gegen einen Mann auszusagen, der sie zuvor rassistisch beleidigt hatte. Während der Berufungsverhandlung griff der Angeklagte sie mit einem Messer an und tötete sie. Marwa El-Sherbini war schwanger. Ihr Ehemann wurde schwer verletzt, als er versuchte, sie zu schützen.
Dieser brutale Mord war ein abscheuliches Verbrechen und ein Akt menschenverachtender Gewalt. Er ist aufs Schärfste zu verurteilen. Das Gedenken an Marwa El-Sherbini und alle Opfer rassistischer Gewalt ist legitim und notwendig. Staat und Gesellschaft haben die Pflicht, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um solche Taten zu verhindern.
Warum wir die Aktionswochen ablehnen
Das berechtigte Gedenken an Marwa El-Sherbini nahm die Politik zum Anlass für „Aktionswochen gegen antimuslimischen Rassismus“. Dieses ideologisch aufgeladene Framing lehnen wir jedoch ab. Wir gedenken Marwa El-Sherbini und aller Opfer rassistischer Gewalt mit großem Respekt. Die politische Entwicklung, die sich daraus ergeben hat, sehen wir dagegen kritisch. Eine Kampagne unter der ideologisch aufgeladenen Überschrift „gegen antimuslimischen Rassismus“ führt in die Irre.
Sie vermengt den notwendigen Schutz von Personen vor rassistischer Gewalt mit dem Versuch, ein religiöses Weltbild gegen notwendige Kritik zu immunisieren. Damit dient das Etikett „Rassismus“ nicht mehr dem Schutz des Individuums, sondern begünstigt eine Kultur, in der religiöse Fundamentalisten Kritik an ihren frauenfeindlichen Praktiken als „Rassismus“ diffamieren können. Solidarität mit Opfern wie Marwa El-Sherbini erfordert den Kampf gegen jeden Fremdenhass, darf aber niemals als Beihilfe zur Schwächung säkularer Freiheiten missbraucht werden. Religion ist keine ethnische Herkunft, sondern ein Weltbild – und Weltbilder müssen in einer freien Gesellschaft kritisierbar bleiben.
Problematischer Hintergrund der Organisatoren
Organisiert werden die Aktionswochen von der CLAIM gGmbH, die vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird. Insbesondere die politische Verwendung des Begriffs „antimuslimischer Rassismus“ wirft grundlegende Fragen für Frauenrechte und Meinungsfreiheit auf. Einen ausführlichen Überblick über die Entwicklung von der Ermordung Marwa El-Sherbinis bis zu den heutigen Aktionswochen bietet unsere Schautafel [Link].
Unterschiedliche Stimmen – ein gemeinsames Anliegen
Vor diesem Hintergrund kamen auf dem Berliner Breitscheidplatz Rednerinnen und Redner mit sehr unterschiedlichen persönlichen und beruflichen Erfahrungen zusammen. Sie verband ein gemeinsames Anliegen: Frauenrechte dürften weder aus Angst vor dem Rassismusvorwurf noch aus falsch verstandener kultureller Rücksicht relativiert werden.[1]
Drei angekündigte Rednerinnen – Astrid Manthey, Khalida Ghayouri und Birgit Gärtner – mussten ihre Teilnahme kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen oder wegen der hitzebedingten Probleme im Bahnverkehr absagen. Ihre Beiträge sowie ein Grußwort von Hartmut Krauss werden in der Begleitbroschüre zur Kundgebung veröffentlicht.

Alexander King: „Rassismus, Gewalt und berechtigte Religionskritik in einen Begriff zusammenzupacken, ist unfair.“
Den Auftakt der Redebeiträge machte der Berliner Abgeordnete Alexander King. Er würdigte den Mut der Frauenheldinnen, ein Thema aufzugreifen, das seiner Ansicht nach von Politik und Öffentlichkeit häufig gemieden werde.
King kritisierte den Berliner Senat dafür, islamistisch motivierte Gewalt und ihre Hintergründe weder systematisch zu erfassen noch gezielt zu bekämpfen. Zugleich bekannte er sich ausdrücklich zum Kampf gegen jede Form von Rassismus. Der Begriff „antimuslimischer Rassismus“ sei jedoch ein politischer Kampfbegriff, der rassistische Gewalt und berechtigte Religionskritik miteinander vermenge. Dadurch würden reale Probleme zunehmend ausgeblendet.
Störungen durch Gegendemonstranten
Alexander King hatte seine Rede noch nicht beendet, da erschienen die ersten Gegendemonstranten. Männer riefen lautstark Parolen, bedrängten die zuhörenden Menschen und versuchten wiederholt, die Veranstaltung zu übertönen. Einige bodenlang verhüllte Frauen skandierten „Ich bin stolz auf mein Kopftuch“ und „Hoch lebe die internationale Solidarität“. Offenkundig ging es ihnen nicht um einen Dialog, sondern darum, die Kundgebung zu stören. Nach mehrfachen Aufforderungen griff schließlich die Berliner Polizei ein und entfernte die Störer. Ironischerweise lieferten die Gegendemonstranten damit genau jene Bilder, über die im Anschluss gesprochen werden sollte.

Seyran Ateş: „Also ich bin echt dafür, dass wir den Schuh mal umdrehen und dass diese Männer sich endlich mal verhüllen.“
Wer hätte besser auf diese Situation reagieren können als Seyran Ateş?
Die Juristin, Autorin und Gründerin der liberalen Ibn Rushd-Goethe-Moschee lebt seit vielen Jahren unter permanentem Polizeischutz. Trotzdem tritt sie unermüdlich für einen liberalen Islam, für Frauenrechte und gegen Islamismus ein.
Seyran Ateş ließ sich von den Störversuchen nicht aus dem Konzept bringen. Im Gegenteil: Mit Witz und Schlagfertigkeit machte sie deutlich, dass nicht Frauen ihren Körper verhüllen müssen, sondern Männer lernen müssen, Frauen mit Respekt zu begegnen. Daran knüpfte sie ihre eigentliche Botschaft an. Frauen dürfen nicht für die Gedanken und das Verhalten von Männern verantwortlich gemacht werden; Mädchen und Frauen haben das Recht, selbstbestimmt und frei zu leben, ohne sexualisiert oder bevormundet zu werden. Zugleich stellte sie klar, dass sich ihr jahrzehntelanger Einsatz nicht gegen den Islam richte, sondern gegen Islamisten und jede Form religiösen Extremismus. Mit großer Sorge kritisierte sie, dass Politik und staatliche Institutionen islamistische Strukturen zu oft verharmlosten oder sogar finanziell unterstützten, während sie gegenüber anderen Formen des Extremismus weit entschlossener vorgingen. Ihr eindringlicher Appell lautete, die Freiheit, die Demokratie und die Rechte von Frauen entschlossen zu verteidigen und sich weder einschüchtern noch zum Schweigen bringen zu lassen.

Maral Salmassi: „Kritik am Islamismus ist kein Rassismus. Islamismus ist eine faschistische Ideologie.“
Nach der leidenschaftlichen Rede von Seyran Ateş folgte mit Maral Salmassi ein Perspektivwechsel. Als Tochter einer aus dem Iran geflüchteten Familie, „die vor genau diesen Leuten mit ihrer Familie nach Deutschland geflüchtet ist, hier Schutz gefunden hat vor diesen Islamisten, die jetzt auch hier sind in unserer Gesellschaft“, sprach sie nicht nur über politische Entwicklungen in Europa, sondern darüber, welche Folgen islamistische Herrschaft für die Menschen hat, die vor ihr fliehen mussten.
Salmassi warnte davor, den politischen Islam auf eine religiöse Frage zu reduzieren. Islamismus sei eine totalitäre Ideologie, die Demokratie, Frauenrechte und individuelle Freiheit gleichermaßen bedrohe. Religionsfreiheit dürfe deshalb niemals dazu führen, dass Gleichberechtigung oder Kinderrechte eingeschränkt würden. Mit Nachdruck widersprach sie dem Vorwurf, Kritik am Islamismus sei rassistisch: „Kritik am Islamismus ist kein Rassismus. (…) Eine religiös-politische Ideologie ist keine Ethnie und sie verdient wie jede andere totalitäre Bewegung auch keine Schonung, sondern eine brutal ehrliche kritische Auseinandersetzung. (…) Keine Toleranz gegenüber Intoleranz.“

Birgit Ebel: „Es herrscht Angst in diesem Land.“
Nach außenpolitischen und gesellschaftlichen Analysen lenkte Birgit Ebel den Blick auf den deutschen Alltag.
Aus ihrer langjährigen Erfahrung als Lehrerin schilderte sie, wie schwierig es geworden sei, islamistisch motivierte Gewalt und Frauenfeindlichkeit offen anzusprechen. Besonders eindringlich berichtete sie über den Umgang mit Gewalttaten an Schulen und über die Angst vieler Verantwortlicher, bestimmte Probleme überhaupt noch zu benennen.
Immer wieder stellte sie die Opfer in den Mittelpunkt und kritisierte, dass deren Schicksale häufig hinter politischen Rücksichtnahmen verschwänden. Sie forderte eine universelle Verteidigung der Frauenrechte und mehr politischen Mut im Umgang mit religiösem Extremismus. Ihr Appell war ebenso einfach wie deutlich: „Wir brauchen keine Schulen gegen Rassismus. Wir brauchen Schulen gegen Sexismus.“
Nach den Erfahrungen aus Schule und Bildungsbereich richtete Saba Farzan den Blick auf die internationale Dimension des politischen Islam.

Saba Farzan: „Wenn Männer ein Problem damit haben, dass sie sich von Frauen angezogen fühlen, dann ist das das Problem der Männer. Es ist nicht das Problem der Frauen.“
Die deutsch-iranische Theaterwissenschaftlerin und Publizistin Saba Farzan verband außen- und sicherheitspolitische Analyse mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für die Freiheit von Frauen. Mit deutlichen Worten kritisierte sie die Relativierung der Verschleierung von Frauen und machte klar, dass nicht Frauen für die Gedanken von Männern verantwortlich seien. Gleichzeitig warnte sie davor, die Erfahrungen von Frauen aus dem Iran oder Afghanistan zu ignorieren. Islamistische Ideologien seien keine abstrakte Gefahr, sondern hätten reale Folgen für Millionen von Frauen. Zum Schluss versprach sie kämpferisch: „Wir werden in diesem Leben nicht noch einmal ein Land an den politischen Islam verlieren.“
Nelly Eliasberg brachte nun einen weiteren Blickwinkel ein: den einer jüdischen Stimme, die sich gleichermaßen gegen Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit richtet.

Nelly Eliasberg: „Der Kampfbegriff der Islamophobie versteckt eine reale Phobie: die Angst vor selbstbestimmten, freien Frauen“
Als Sprecherin der WerteInitiative Deutsch-jüdische Positionen spannte Nelly Eliasberg den Bogen zwischen Frauenrechten, Antisemitismus und der Verteidigung einer wehrhaften Demokratie. Sie erinnerte daran, dass viele feministische Errungenschaften in den vergangenen Jahren selbstverständlich erschienen seien – von der körperlichen Selbstbestimmung bis zur öffentlichen Auseinandersetzung mit sexueller Gewalt. Umso unverständlicher sei es, wenn ausgerechnet gegenüber frauenfeindlichen Ideologien kulturelle Ausnahmen gemacht würden. In ihren Schlusssätzen stellte sie unmissverständlich klar: „Wenn man für feministische freiheitliche Werte steht, gibt es nur zwei logische Optionen, wie man sich zu frauenverachtenden Ideologien verhalten kann. Das Unentschuldbare entschuldigen oder für echte Selbstbestimmung von Frauen kämpfen. Dazwischen gibt es nichts.“

Tamara Schulz: „Schweigen schützt keine Frauen.“
Nach den politischen Analysen und grundsätzlichen Debatten wurde es persönlich.
Tamara Schulz sprach nicht über Statistiken oder politische Programme, sondern über Frauen, die sie selbst kannte. Bewegend schilderte sie ihre Erinnerungen an den Mord an Hatun Sürücü und sprach über ihre Freundin, die nur kurz darauf ins Ausland verschleppt und zwangsverheiratet wurde. Besonders eindrücklich beschrieb sie das Gefühl der Hilflosigkeit angesichts der Ausweglosigkeit, in der sich diese jungen Frauen befanden – und die Erkenntnis, ihnen damals nicht wirklich helfen zu können.
Gerade diese persönlichen Erfahrungen machten deutlich, warum sie sich heute gegen Gewalt an Frauen engagiert. Ihr Appell war ebenso schlicht wie eindringlich: Das Leid der Betroffenen darf nicht aus falsch verstandener Rücksichtnahme verschwiegen werden. Frauen und Mädchen brauchen Schutz, Solidarität und Menschen, die ihre Stimme erheben.

Constanze Ehrlich: „Die Freiheit kennt keine Pflicht, sich zu unterwerfen.“
Den Schlusspunkt der Kundgebung setzte Constanze Ehrlich. Ausgehend von ihren eigenen Erfahrungen in der DDR erinnerte sie daran, dass Freiheit, Demokratie und Säkularität keine Selbstverständlichkeiten seien, sondern immer wieder verteidigt werden müssten. Dabei nahm sie insbesondere den politischen Islam und den damit verbundenen Antisemitismus in den Blick. Am Beispiel der Leugnung des Völkermords an den Armeniern machte sie deutlich, dass Organisationen, die demokratische Grundwerte ablehnen oder antisemitische Positionen vertreten, keine staatlichen Privilegien genießen dürfen. Sie forderte die Politik auf, den politischen Islam konsequent zurückzuweisen und die Trennung von Religion und Staat entschlossen zu verteidigen.
die Botschaften der Reden in uns nachhallten, packten wir noch einmal alle an und räumten zusammen und freuten uns auf einen gemeinsamen Ausklang im Feinbergs und vor allem kühle Getränke.
Für uns bleibt als Resümee.:
- Feministinnen dürfen nicht schweigen.
- Dort, wo religiöse Normen über den Rechten von Frauen stehen, müssen wir widersprechen.
- Dort, wo Mädchen zur Unterordnung erzogen werden, müssen wir widersprechen.
- Dort, wo Gewalt gegen Frauen religiös gerechtfertigt wird, müssen wir widersprechen.
- Und dort, wo aus Angst vor dem Vorwurf des Rassismus Frauenfeindlichkeit nicht mehr klar benannt wird, müssen wir ebenfalls widersprechen.
Wahrheit darf nicht davon abhängen, wem sie nützt oder wem sie schadet.
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