Einfalt statt Vielfalt
Der Islamismus vor der Haustür

Anja L. berichtet aus eigener Erfahrung, wie sich ein multikulturelles Stadtviertel innerhalb von 30 Jahren durch die Zunahme islamistischer Strömungen gewandelt hat und welche Auswirkungen die Veränderungen auf die Freiheit der Frauen dort haben.
1998 bin ich für meinen ersten Job nach Düsseldorf gezogen. Ich nahm eine Wohnung in der Eisenstraße, zentral direkt hinter dem Hauptbahnhof gelegen und praktisch, wenn man jeden Tag mit dem Zug pendeln muss.
Bald merkte ich, dass ich nicht nur nach Düsseldorf gezogen war, sondern auch nach Marokko: Innerhalb von 150 Metern befinden sich im Viertel: die Bank von Marokko, marokkanische Supermärkte, marokkanische Männercafés, ein marokkanischer Musikladen, Bäckerei, marokkanische Möbelläden und sogar ein islamisches Beerdigungsinstitut. Und natürlich nicht zu vergessen auf der anderen Seite der Bahngleise die Moschee „Masjid Omar“.
Und wie war das in 1998? Frauen, die Hijab trugen waren eigentlich die Großmuttergeneration, die noch vier Schritte hinter ihrem Mann her schlurfte. Alle anderen waren westlich gekleidet, gar keine Frage.
Das Stadtbild ändert sich
Dann, ein paar Jahre später, wir waren mittlerweile in einem neuen Jahrtausend angekommen, fingen auch Frauen mittleren Alters an, den Hijab zu tragen. Danach junge Frauen um die 20. Ungefähr 2004 sah ich die ersten Niqabträgerinnen im Viertel. Nicht viele, aber sie waren da. Von Kopf bis Fuß in Schwarz, gerade noch ein Schlitz für die Augen da, bei manchen war selbst dieser mit schwarzem Organza abgedeckt und es wurden Handschuhe getragen. Die komplette Auslöschung der Individualität.
Von da an sah ich auch Teenager oder gar Mädchen mit dem Hijab, außerdem wurden die Frauen im Straßenbild immer weniger. Dafür traten dann die Männer mit den Vollbärten ohne Schnauzbart und Hochwasserhosen auf. Ein klares Zeichen für männliche Salafisten.
Das Viertel wuchs. Mehr Supermärkte, ein zweiter Fischladen und sehr angenehm: ein tolles Hamam, natürlich, wie es sich gehört, mit strikter Geschlechtertrennung. Dazu ein marokkanisch orientierter Altenpflegeservice.
Ich zog von der Eisenstraße ans andere Ende des Viertels in die Höhenstraße. Nebenan war donnerstags ein Wochenmarkt, auf den sich keine Marokkanerin zum Einkaufen verirrte. Einen deutschen Metzger gab es noch im Viertel, der Rest war halal.
Einmal sah ich eine junge Frau in einer feuerroten, schön bestickten Jellaba mit wildem Lockenschopf von der Bäckerei in einen Hauseingang sprinten und meine spontane Reaktion war „Cool!“ Leider war das in 25 Jahren das einzige Mal.
Salafisten in der Vorzeigemoschee
Dank Sigrid Herrmann wissen wir, dass in der Moschee im Viertel, nach außen gerne als Vorzeigemoschee präsentiert, immer wieder auch Prediger aktiv waren, die der Salafistenszene zuzuordnen sind. Ob von dort Einfluss auf die Familien oder die Frauen genommen wurde oder ob das Internet verantwortlich war – wer weiß das schon?
Dann kam der Kulturschock nach Silvester 2015 auf der Domplatte in Köln. Seitdem ging ich im Kopf alle Moves zur Selbstverteidigung durch und hatte griffbereit einen Tactical Pen bei mir. Wenn ich abends vom Bahnhof durch das Viertel heimlief, vorbei an den maghrebinischen Kleinkriminellen, die vom Hauptbahnhof angezogen wurden wie die Fliegen, hatte ich oft das Telefon am Ohr und rief meine Mutter an. Sie freute sich über den Anruf, ich hatte noch eine Sicherheitsmaßnahme mehr.
Sichtbare Zeichen des Islamismus
Doch der Islamismus nahm seinen Lauf. 2020 war ich oft am Samstag fast die einzige Frau ohne Hijab und auch insgesamt waren immer weniger Frauen beim Einkaufen zu sehen. Aus dem Laden mit den Musik-CDs wurde ein Laden mit Alltagsgegenständen, Koranen und Gebetsketten. Im Ramadan standen in vielen Läden die Spendensammelbüchsen für Al Ansaar, bis die Organisation 2021 verboten wurde, weil die Spenden statt in wohltätige Zwecke in die Terrorfinanzierung flossen.
An der Kreuzung Ellerstraße-Kruppstraße gibt es inzwischen einen Buchladen „El Tauhid“, der auch die Webseite https://www.muslim-buch.de/ betreibt. Wir erinnern uns: El Tauhid ist auch als „Islamistenfinger“ bekannt, Stichwort Fußballnationalspieler Antonio Rüdiger oder die drei Herren vom Rollfeld des Düsseldorfer Flughafens, die 2022 ihren Job zunächst nicht weiter ausüben durften, weil sie die Geste gezeigt hatten.
Bei der Stadtratswahl fragte ich den Kandidaten der Grünen im Viertel Sami Charchira über Facebook, was er gegen den steigenden Islamismus im Viertel unternehmen wolle, und bekam niemals eine Antwort. Er gewann die Wahl und ist über diverse Ausschüsse gut vernetzt (u. a. Schule, Kultur, Migration). Bei Wahlen in der Grundschule ums Eck, die als Wahllokal genutzt wird, sieht man an den Kleiderhaken der Kinder nur noch vereinzelt deutsche Namen.
Irgendwann entdeckten wir, dass anscheinend aus dem Haus gegenüber Drogen vertickt wurden, und nachdem wir in unserem dunklen Hofeingang einmal einem Junkie begegneten, hatten wir zum Schließen des Hoftors immer einen Axtgriff auf der Schulter.
Seit ein paar Jahren wird im Sommer ein „Maghreb Fest“ organisiert. Stände, Essen und eine kleine Musikbühne mitten im Viertel. Wir waren mit Bekannten dort, und die einzigen Frauen ohne bedeckte Haare waren eindeutig Deutsche. Eine marokkanische Bekannte, die 20 Jahre zuvor in dem Viertel gewohnt hatte, meinte nur entsetzt: „Was ist aus dem Viertel geworden?“
Was ist nun aus dem Viertel geworden?
Ein ehemaliges Multikultiviertel ist jetzt in der Hand von Islamisten, inklusive dem Druck zur Konformität. Die Frauen verschwinden immer mehr und selbstverständlich haben Cafés und Restaurants im Ramadan bis zum Einbruch der Dunkelheit geschlossen. Man schaut aufeinander und achtet darauf, ob die anderen die Konventionen befolgen. Es ergeben sich kaum Gespräche, mit Frauen schon gar nicht.
Wir sind Anfang 2024 aus dem Viertel weggezogen. Ja, ich vermisse die Fischläden und das Obst, Wassermelonen und Feigen im Sommer, oder die Merguez. Und den schnellen Zugang zum Hamam.
Nun wohnen wir recht ländlich, was das Pendeln in die Großstadt schmerzhaft macht. Aber ich habe nachts nicht den Tactical Pen in der Hand und es werden höchstens Eier von freilaufenden Hühnern anstelle von Drogen vertickt.
