Vortrag von Theresia Sauter-Bailliet über weibliche Schöpferkraft
Wir sind keine biologischen Maschinen, Herr Harari!

Eine Patriarchatskritik von Dr. Theresia Sauter-Bailliet
Vortrag gehalten am 19.6.2026, dem 94. Geburtstag von Dr. Theresia Sauter-Bailliet
Worüber ich sprechen möchte: Warum wir in diese roboterisierte Welt hineingeraten sind und wie wir wieder aus ihr rauskommen könnten. Und das hat mit dem Patriarchat zu tun.
Patriarchat heißt Vaterherrschaft. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es die lebenspendende Kraft der Frau und der Natur an sich reißen und für sich allein beanspruchen will. Daher versucht es, matriarchale Gesellschaften und überall noch vorhandene matriarchale Lebens- und Produktionsweisen zu zerstören. Das geht nur mit Gewalt, Krieg und Indoktrination. Nur Männer mit Definitionsmacht (Pharaone, Könige und Kaiser, Männer mit politischer, wirtschaftlicher, wissenschaftlicher, kultureller Macht, auch Künstler (und/oder mit Milliarden wie Peter Thiel oder einer Billion wie Elon Musk), nur sie haben das Gewalt- und Propagandamonopol dazu, nicht der „normale“ Mann. Der hat wenig zu sagen. Aber als Zugehöriger zum männlichen Geschlecht profitiert er davon.
Ihr kennt den griechischen Mythos von Zeus, aus dessen Kopf eine voll gerüstete Athene entspringt. Im Übergang von der archaischen zur klassischen griechischen Periode wo Zeus als oberster Gott im Olymp thronte, tobte ein Kampf gegen das noch existierende matriarchale Gesellschaftssystem. Dieses war von weiblichen Vorstellungen der Lebensbewältigung geprägt, das sich an der Mutter und Mutter Erde orientierte. Nur die Frau kann Leben gebären. Ihre schöpferische Kraft verbindet sie mit der Erde, aus deren Schoß Wachstum entsteht. Daher nennen wir sie Mutter Erde. Auf diesen Vorstellungen bauten sie ihr Mythengebäude auf, also wie sie leben wollten. Und das war an der Realität orientiert und nicht abstrakt wie das patriarchale. Die Kopfgeburt von Zeus hat keine reale Grundlage. Aber sie wird auf mythischer, sprich symbolischer Ebene gerechtfertigt, bis heute. Der Mythos verrät, was in der damaligen Zeit vor sich ging: Frauen wurden vergewaltigt und gefügig gemacht, ihrer matriarchalen Macht beraubt. Es wird erzählt, Zeus habe zuvor Metis, die wie Athene ursprünglich als Muttergöttin verehrt wurde, vergewaltigt. Sie wurde mit Athene schwanger. Zeus verschluckte sie u. so soll ihr Embryo in Zeus zu der kriegerischen Athene herangewachsen sein.
Der biblische Mythos vom Vatergott Jahwe, der mit einem Wort Leben schafft, bleibt ebenfalls in der Abstraktion stecken. In einer anderen Version der Genesis bildet er den Menschen Adam aus Lehm. Das ist patriarchale Alchemie, die Geschichte machte als eine Verwandlung von etwas Vorhandenem in etwas Künstliches. Ganz aktuell: Menschliche Intelligenz wird zur KI und soll sie übertreffen. Claudia von Werlhof nennt es die Verkehrung der Welt in eine höhere, eine Ersatz-Welt (S. 83 Verkehrung). Die abstrakte Idee der Männergeburt war es, mit der sich das Patriarchat zur Herrschaft über die Welt erhob.
Ich will dies anhand des AT aufzeigen.
Gerda Weiler nennt den patriarchalen Vatergott eine Projektion des vom mütterlichen Urgrund abgespaltenen, desintegrierten Männlichen an den Himmel (60) (Ganz wichtig: der Mann negiert seine Wurzeln, wird wurzellos). Im matriarchalen Bewusstsein wurde die Göttin als das umfassend Weibliche, die Ganzheit, die Fülle des Daseins erlebt (62). Sie umfasst Himmel und Erde, ist Wohnung, in der sich die Menschen geborgen fühlen (Siehe die Göttin Nut, die mit ihrem Körper die ganze Erde umfasst). Die Göttin wird als in allem präsent imaginiert: in der Blume, in der Sonne, in meinem Herzen. Ist sie vielleicht, modern ausgedrückt, die Energie, die alles Leben im Innersten zusammenhält? Wir wissen, dass die elektromagnetische Frequenzlänge von 10 Hz., man nennt das die Schumannresonanz, technisch gesprochen alles Leben auf unserem Planeten verbindet. Der berühmte Physiker und Arzt Karl Hecht hat gesagt, wir leben in einem elektromagnetischen Ozean. Dieses Etwas haben Menschen schon immer gespürt, Frauen wahrscheinlich mehr als Männer weil sie biologisch naturverbundener sind (siehe ihren mondgelenkten Menstruationszyklus). Vielleicht haben sie das als göttlich, personifiziert als Göttin verehrt. Das hebräische Wort ruach (f) bedeutet Hauch, Energie, die im Atem steckt, sie ist die Luft, die sich bewegt, die man hört, ist pure Lebenskraft. Wir sprechen von Lebensatem einhauchen. Im Lateinischen wird das Wort zu spiritus (m) = Geist und im Christentum zum Heiligen Geist als dritte Person der Dreifaltigkeit. Er wird oft als Taube dargestellt. Die Taube war bis zum späten Mittelalter der Vogel der Liebe und Erotik. Das ursprüngliche Wort ruach könnte Lebensenergie meinen, weiblich gedacht. Und diese natürliche Lebensenergie (10 Hz) haben wir mit künstlichen Frequenzen gesundheitsschädigend überlagert. Matriarchale Menschen fügten sich in den Kreislauf der Natur ein. Für sie war die Natur und der ganze Kosmos heilig und wurde mit Ritualen gefeiert. Wir haben es also mit einer immanenten Weltanschauung zu tun, gebunden an die Realität. Indem Frauen ihrer lebenspendenden Kraft in der symbolischen Ordnung beraubt wurden, verloren sie auch ihren transzendenten Bezug zur Göttin, in der sich ihre schöpferische Kraft spiegelte, d.h. sie verloren ihre transzendente Weiblichkeit.
Gerda Weiler schreibt, dass ins AT viele matriarchale Kulttexte eingeflossen sind. Doch jetzt gesäubert von ihrem Bezug zur matriarchalen Lebensweise (siehe Titel ihres Buches: Das Matriarchat im Alten Israel). Am Ende der wohl 800-jährigen redaktionellen Veränderungen des AT bis zu seiner Absegnung als verbindlicher Kanon (jetzt durfte kein Jota daran mehr geändert werden) waren Göttinnen, Priesterinnen, matriarchale Frauen aus dem Text verschwunden. Den wenigen Frauen, die im AT noch vorkommen, wird die Rolle zugewiesen, in der sie lange Zeit in der patriarchalen Geschichte verharren mussten: rechtlos, dem männlichen Oberhaupt unterstellt. Tamar, einst eine große Göttin, wird zur Hure degradiert.
Das Hohelied Salomos, das als letzter Text dem AT hinzugefügt wurde, war ursprünglich ein matriarchaler Kulttext zur Feier der Heiligen Hochzeit. Die feiert die Liebesgöttin mit dem aus der Unterwelt auferstandenen Frühlingsgott. Und vollzogen wird sie von der Priesterin, ihrer Stellvertreterin auf Erden, mit ihrem königlichen Geliebten. Im Hohe Lied im AT sind ihre Namen ausradiert. Doch noch im verstümmelten biblischen Text bezaubert eine Liebessprache von der Goethe schwärmte. Sie spiegelt das matriarchale Lebensgefühl, wo Sinnesgenuss ein heiliges Erlebnis ist, Mann und Frau sich selbst überschreiten und der schöpferischen kosmischen Lebenskraft teilhaftig werden (GW 307). Im kosmischen Raum wird die irdische Erfahrung wiederholt. Gefeiert wird nicht nur die Wiedergeburt menschlichen Lebens, sondern der gesamten erstorbenen Natur im Frühling. Mensch und Natur sind eingebunden in den Naturzyklus von Werden und Vergehen. Das Hohe Lied allegorisiert die erotische Sprache und macht Jahwe zum göttlichen Geliebten der Braut Israel (blutleer). Eros hat in diesem patriarchalen Weltbild ausgespielt. Heißt es im Kultlied der Heiligen Hochzeit noch: die Liebe ist stärker als der Tod, wird im Patriarchat der Tod zum Agens der Weltgeschichte. Das AT kennt nur zeugende Männer für den Fortbestand der Vaterherrschaft: Abraham zeugte Isaak, Isaak zeugte Jakob . . . .
Mit dem Entzug ihrer Seinsmacht in der symbolischen Ordnung (Sprache) nahm das Patriarchat der Frau ihr Selbstbewusstsein. Diese Entmachtung haben Frauen nicht widerstandslos hingenommen. Immer wieder, bis heute, kam und kommt es zu Aufständen. Im AT lehnen sich Frauen und Männer gegen den neuen Herrn auf: Als sie noch der Göttin opferten wäre es ihnen gut gegangen, jetzt kämen sie durch Schwert und Hunger um (Jeremia 44,15 ff.). Nur mit Gewalt verstand es das Patriarchat, Frauen wieder gefügig zu machen. Hinter dem heutigen Versuch uns zu islamisieren steckt wohl die Hoffnung, der Islam (eine der 3 monotheistischen Religionen neben dem Judentum, Christentum) könnte es schaffen, Frauen mit Gewalt wieder unter die Haube zu bringen.
Zu biblischen Zeiten in einer klein strukturierten Welt gab es noch matriarchale Volksstämme und bis ins Mittelalter Oasen matriarchaler Kulturen, die versuchten, im Einklang mit der Natur zu leben. (Ich bin in mehreren Ländern solchen matriarchalen Spuren nachgegangen: z.B. in Kolumbien, Chile, auf Sumatra, den Palau Inseln, Vietnam, China, habe darüber geschrieben, Vorträge gehalten). Mit der Hexenverfolgung (die Jahrhunderte dauerte, wofür sich die Kirche bis heute nicht entschuldigt hat!) raubten Kirche und Staat den Frauen ihr Heilwissen (sog. Kräuterweiber- Medizinerinnen des Volkes. Ihr Wissen haben sich die Mönche dann angeeignet und in den Klöstern Kräutergärten angelegt). Und sie raubten ihnen ihren intimen Bezug zum Lebensprozess (Hebammen = Ärztinnen). Kirche und Staat raubten ihnen den Rest an Selbstbestimmung. Heute können wir sagen, dass es kein eigenständiges weibliches Geschlecht mit eigener Definitionsmacht, eigener Spiritualität mehr gibt. Wir sind alle ins Patriarchat untergebuttert.
Doch in der real existierenden Welt leben nun mal Frauen und sie gebären weiter Kinder, die Natur spendet weiterhin Nahrung. Und in vielen Frauen sind matriarchale Impulse weiterhin präsent, die sie mit Männern teilen. Frauen und Männer machen Gartenarbeit, stärken sich in Ritualen, fühlen sich der Erde verbunden. Männer, deren Beruf es zulässt, beteiligen sich an der Haus- und Carearbeit. Durch ihre biologische Ausrichtung auf Leben und die Pflege des Lebens (ein Säugling würde sterben wenn sich die Mutter nicht um ihn kümmert) prägen Frauen noch immer das Alltagsleben. Täten sie es nicht, würde unsere Gesellschaft zusammenbrechen. Damit sie es als selbstverständlich tun wird ihre ehrenamtliche Arbeit mit Sonntagsreden und Muttertagsglückwünschen gelobt.
Frauen wollen heute aber mehr: sie wollen ihr Wissen, ihre Intuition, ihren Blick auf die Welt, ihre Vorstellung einer im matriarchalen Sinne naturverbundenen Welt, da, wo die Weichen für unsere Gesellschaft gestellt werden, einbringen. In der neuen Frauenbewegung wurde das Tabu, das über dem Patriarchat lag, aufgebrochen. Wir wissen heute, was schief gelaufen ist, wie wir aus der heutigen Misere herauskommen könnten. Das provoziert das Patriarchat zu einem gefährlichen und unberechenbaren Gegenschlag. Der Backlash gegen die Frauenbewegung ist schon längst da. In orwellscher Manier werden Frauen, die sich korrumpieren lassen, in Chefpositionen gehievt. Frauen, die es in ihrer Geld- und Machtsucht ihren männlichen Vorbildern nachmachen, werden zu Feministinnen erklärt, sind aber genau das Gegenteil. Die Grenze zwischen den beiden biologischen Geschlechtern soll durch Queer und Trans und andere nonbinäre Absurditäten durchlässig werden. Frauengruppen werden unterwandert, Gender ersetzt das Wort Frau. Die Gender-Idee scheint von Frauen zu stammen (siehe Judith Butler) die glaubten, Frauen würden sich emanzipieren, wenn sie das Gebären Maschinen überlassen. Diese Idee wurde freudig von den Patriarchen übernommen die seither Gender-Studies finanziell fürstlich unterstützen. Frauenstudien, für die wir gekämpft haben, sind nun obsolet. (Ich habe 1972/73 zusammen mit Beate Schöpf-Schilling vom John.F.Kennedy Institut. Auch das gehört zum Backlash wie die clevere Idee, Frauen im Wohlfühlmodus zu halten durch Unterwanderung von Frauengruppen. So werden sie ruhig gestellt und sind ja jetzt nicht mehr gefährlich.
Schaffte es die abstrakte Idee einer Männergeburt bis in die Neuzeit sich in der symbolischen Ordnung, im Mythos, durchzusetzen, mit verheerenden Folgen für das weibliche Geschlecht, so gibt seit der Aufklärung die Technologie Hoffnung, die Materie alchemistisch in ein höheres Stadium zu verwandeln. Die Natur soll überlistet, die Mutter durch Retortenbabies überflüssig gemacht werden. An einer „künstlichen“ Neuschöpfung arbeiten die Weltverbesserer bereits fieberhaft: künstliche Intelligenz statt Weisheit, die dem Leben innewohnt, Gentechnik, GeoEngineering.
Eva Hesse hat am Futurismus des beginnenden 20. Jh den Kult der Maschine aufgezeigt, die die Avantgarde-Künstler von Ost bis West begeistert aufgegriffen haben (63, 122). Die Steigerung der Geschwindigkeit, dank der Erfindung des Motors, löst in Marinetti, dem Gründer des Futurismus, ein Hochgefühl göttlicher Überlegenheit aus (161). Ein aufheulendes Auto, den Fuß auf dem Gaspedal, was für ein Machtgefühl! Die Futuristen sahen mit Recht, schreibt Eva Hesse, im Automobil die Erfindung, die das Lebensgefühl der Moderne vollständig revolutionieren würde (162). Sie sahen im Auto ein Medium, „um der bleiernen Schwerkraft des Althergebrachten zu entfliehen und in die Zukunft durchzustarten“ (161). Hier ist die Maschine, Produkt männlicher Erfindungskraft, Auslöser für Fantasien über noch ungeahnte Höhenflüge männlichen Geistes. Wenn wir sie ungebremst, ohne Technikfolgenabschätzung, zu realisieren verfolgen, könnte dies zur Zerstörung unseres Planeten Erde führen. (s. Rosalie Bertell, Planet Earth, the Latest Weapon of War, deutsch: Kriegswaffe Planet Erde).
Diese Fantasie geht einher mit dem Ansichreißen weiblicher Schöpfungskraft, was z.B. Umberto Boccioni bildhaft veranschaulicht wenn er die Mutter als Materia malt (Titel des Gemäldes, S. 143 ), und Eva Hesse kommentiert: „die Frau wird hier „vom futuristischen Übermann zum ‚Stoff‘ seines schöpferischen Formwillens zweckentfremdet und zum bloßen „Gegenstand“ zurückgestuft“ S. 144). Oder in der Skulptur von Jacob Epsteins Rock Drill, ein Roboterwesen, das, so Epstein, „– sicher in seinem Inneren geborgen – seinen eigenen Nachkommen in sich trägt“ (S. 145), womit er die „Metallisierung des menschlichen Leibes“ zum Ausdruck bringen will, also die Idee einer Männergeburt, mit der die Übermänner der frühen ‚Avantgarde die biologischen Funktionen der Frauen bei der Fortpflanzung zu annektieren suchten, so Eva Hesse (S. 148). Wenn Yuval Harari den menschlichen Körper als eine biologische Maschine bezeichnet, bewegen wir uns nicht mehr auf der symbolischen Ebene, also dem Kunstwerk, sondern in der wissenschaftlichen Realität, wo bereits danach gehandelt wird. Was hat das mit der Frau zu tun? Marinetti formuliert in seinem Gründungsmanifest von 1909 den Kampf gegen Frauen (und in diesen künstlerischen Werken manifestiert sich der Kampf gegen Frauen). Da heißt es: „Wir wollen den Krieg verherrlichen – diese einzige Hygiene der Welt – den Militarismus . . . die schönen Ideen, für die man stirbt, und die Verachtung des Weibes“ (S. 171). Dies geschrieben vor der Ernüchterung des 1. WK. Diese auffällige Frauenfeindschaft, so Hesse, war damals weit verbreitet, woraus sie schlussfolgert, dass viele männliche Autoren und Künstler sich von den sich emanzipierenden Frauen bedroht fühlten. Dasselbe erleben wir wieder, in einer neuen Avantgarde, nur darf es heute nicht mehr so drastisch ausgedrückt werden.
Künstler und Künstlerinnen vermögen, dank ihrer Begabung, Unformuliertes, vage Gespürtes, in Sprache und Bild zu kleiden. Ich habe mal einen Vortrag gehalten „Hat die Raumfahrt ein Geschlecht?“ Ja. Als Beispiel: Arthur Clarkes Roman 2001 Odyssee im Weltraum, verfilmt von Stanley Kubrick. Da passiert etwas ganz Verblüffendes.
Im Roman geht es um die Überwindung des so lästigen Körpers durch Metall. Der Kapitän Bowman ist noch Körper, das Raumschiff ist aus Metall, ein resistenterer Stoff, und steht für Bowman in seiner nächsten Inkarnation, von der er schließlich in reinen Geist übergehen soll (Thaillard de Chardin, Point Omega). Das Raumschiff, sprich Bowman, dringt wie ein Phallus in den Mond, als Vulva gedacht, ein. Dort sollen ihn die Außerirdischen in reinen Geist verwandeln. Und wie sieht dieser reine Geist aus? Befreit von den Schranken von Raum und Zeit, heißt es, wagt sich der Protagonist Bowman zu den Außerirdischen vor, wird als Sternenkind wiedergeboren und bringt „durch die Kraft seines Willens atomar bestückte Satelliten zur Explosion (204). „Zum Herrn der Welt geworden“ träumt er davon, diese in ein neues Stadium der Evolution hinüberzuretten. Schöpfung als Zerstörung. Das ist Patriarchat. Filmisch lässt sich das schlecht darstellen. In Kubriks Film erscheint am Ende in Totale ein Kindergesicht. Ich musste lachen. Arthur Clarke war britischer Propagandist für die Raumfahrtindustrie, für die er positiv werben musste. Am Ende ein Kind, von den Außerirdischen geboren? Wir landen also wieder bei der Geburt. Doch diesmal nicht zum Leben sondern zum Tod.
In der Realität brauchen wir immer noch eine Mutter. Und sie hat durch Geschlechtsverkehr mit einem Mann empfangen. Die technokratische Zukunftsvision ist eine Embryokultur im Reagenzglas. Davon träumt wohl Peter Thiel (bekannt durch seine Firma Palantir) wenn er sagt, dazu hätte es bis jetzt eines Mannes bedurft „der seinen Penis in eine Vagina steckt, aber wir wollen viel mehr.“ Dieses „viel mehr“ sind wohl für ihn die im Reagenzglas gezeugten Retortenbabies, die in den Uterus der Frau eingepflanzt werden sollen. Sexualität kann so dank Bioengineering durch KI-gesteuerte Maschinen abgelöst werden.
Mit der Entdeckung des Atoms wurde eine gefährliche Technologie in Gang gesetzt ohne Risikofolgenabschätzung. Die Erbauer des Atomreaktors Tchernobyl wählten diesen Namen bewusst in Anspielung auf Tchernobol, der in der slawischen Mythologie der schwarze Gott des Bösen, der das Unheil bringt bezeichnet. Wollten sie es mit den Ängsten vor dem Unbekannten aufnehmen, fragt Annegret Stopczyk (14)? Wir sehen,wohin diese patriarchale Hybris führt. Als Oppenheimer und Co. die erste Atombombe testeten sollen sie ein Bild von Rita Hayworth darauf gemalt haben. Sollte der Test erfolgreich sein wäre es „a boy“, wenn nicht, „a girl“. Der Test wird also mit einer Geburt verglichen, doch keine Geburt ins Leben sondern in den Tod. Der Ökonom Schumpeter schwärmt von „schöpferischer Zerstörung“. Das ist das Ergebnis, wenn der Mensch – der Mann – die Natur überlisten, sich vom weiblichen Urgrund allen Seins loslösen will.
Weil der Mensch nur eine biologische Maschine ist, meint Harari, können wir ihn mit allen möglichen technischen Geräten optimieren. Zerlegen wir seinen Schädel finden wir elektrische Verbindungen, aber keine Seele. Ja, die lässt sich eben nicht mit unseren technischen Forschungsmethoden nachweisen. Der Körper als tote Materie ist das Ergebnis der gewaltsamen Trennung von Geist und Körper seit Sokrates, für den das körperliche Erleben nur Störung des Denkens und Erkennens war (Stopczyk 25). Seit der Aufklärung orientieren sich unsere Wissenschaften am körperlosen Geist.
Doch immer mehr Menschen heute spüren, dass wir wieder auf unsere Gefühle und unseren Körper hören sollten. Ist das nicht etwas, was Frauen schon immer aber abwertend als Manko zugeschoben wird? Unsere geist- und verstandesgelenkte Welt verachtet eine Erkenntnisweise, die sie der Frau zuordnet. Seit Sokrates gilt sie als naturverhaftetes, irrationales Wesen, das nicht denken kann. Der Mann denkt logisch, rational. Die Frau ist all das was er nicht sein will: gefühlsbetont, intuitiv, emotionsgelenkt, empfindet aus dem Bauch heraus (siehe Hinweise auf Jung, Neumann in Gerda Weiler, Der enteignete Mythos).Anstatt also den konsequenten Schritt zu gehen und zu fragen, was die Negierung von Gefühlen mit der Abwertung der Frau zu tun haben könnte, wird eine Antwort bei weisen Männern gesucht.
Ich möchte dies am Beispiel Andreas Popp aufzeigen. Ich schätze sehr, dass er unseren Empfindungen nachspürt, die sträflich vernachlässigt wurden. Die Antwort sucht er bei der Gralsbotschaft von Oskar Ernst Bernhardt, der sich den Namen Abd-ru-shin zulegte, also in einer patriarchalen Spiritualität. Ich habe den Journalisten Flavio von Witzleben angeschrieben, der ein Interview mit Popp machte. Popp wäre auf der richtigen Spur, schreib ich. Aber anstatt zu fragen, wie diese Vernachlässigung von Empfindungen mit der Abwertung der Frau im Patriarchat zu tun hat, suche er Zuflucht bei einem Guru. Das wollte v. Witzleben so nicht stehen lassen: „Im Interview mit Herrn Popp, so von Witzleben, habe ich ihn nicht so verstanden, dass er dem weiblichen Prinzip ablehnend gegenübersteht, ganz im Gegenteil; . . . .dass er das Weibliche gar als das fördernde, aufbauende Prinzip ansieht, das uns Männern als Vorbild dienen sollte.“ Und dass im Werk von Abd-ru-shin „die Frau geistig eine halbe Stufe über dem Mann steht und daher eine feinere Empfindung und Intuition als der Mann hat, weshalb sie auch eine höhere Verantwortung trägt.“ (Mich packte die Wut).
Ja was für ein Weibliches meint er denn da? Was hat das mit der real existierenden Frau zu tun? Ist es das Ewig Weibliche, das uns hinanzieht? Und wen zieht es hinan? Doch nicht mich als Frau! Es ist ein Bild, das der Mann sich von der Frau macht, von der“Guten Mutter“, die dem Mann ständig zur Verfügung steht, unerschöpflich; die ihn zu großen Taten und geistigen Leistungen inspiriert (in der Patriarchatsgeschichte z.B. als Muse dargestellt). Die Gute Mutter ist einer der 3 „Archetypen“ der Psychoanalytiker C.G. Jung und Erich Neumann, und es sind männliche Wunschvorstellungen. Goethes wunderbare Lyrik ist inspiriert von seinen vielen Liebesaffairen. Und was wurde aus diesen Mädchen und Frauen? Danach fragt niemand. Der verjüngte Faust in seinem gleichnamigen Drama vergeht sich an einem naiven Mädchen, das glaubt geliebt zu werden. Wir kennen die Geschichte: sie wird schwanger, tötet aus Verzweiflung das Kind und landet im Gefängnis. Dem wird mit poetischer Sprache der grausame Stachel gezogen: Das Ewig Weibliche zieht uns hinan! Als Politiker und Rechtsanwalt im wirklichen Leben soll Goethe eine „Kindsmörderin“ zum Tode verurteilt haben. Die „Gute Mutter“ (sog. Archetyp) gibt es nicht. Sie existiert nur in den Wunschträumen des patriarchalen Bewusstseins schreibt Gerda Weiler (E.M 90). Muse des Mannes zu sein ist nach Christa Wolf zweischneidig für die Frau. Wird sie doch auf diese Weise um ihr Eigenleben gebracht. Es wird ihr ein Bild, das andere von ihr machen, untergeschoben. Zu den Sachen gehört sie nun (in Hesse, 159).
Sehr schnell kann das Bild der „Guten Mutter“ in das der „Furchtbaren Mutter“ umschwappen, einem weiblichen Schreckgespenst, das nach Weiler das Ergebnis männlicher Angstprojektionen ist (S. 117), Angst vor Sexualität und Tod, Angst, die schöpferische Potenz mit der Frau teilen zu müssen (das ist ein Kommentar von Weiler zu Neumanns Archetyp der „Furchtbaren Mutter“, Der Enteignete Mythos, 118). C.G. Jung äußert sich ähnlich wenn er schreibt, die Mutter als übergeordnete Persönlichkeit sei dämonisch, weil übergeordnet (180). Oft mit einem Drachen verglichen. Einen Aspekt davon deckt Eva Hesse in der Avantgarde auf, die verbissen „auf den vorletzten Bastionen des Vaterrechts“ beharrt (S. 170). Die Verherrlichung des Krieges gekoppelt an die Verachtung des Weibes (Marinetti) ist die Kampfansage gegen die Emanzipation der Frau.
Erbauende Worte weiser Männer, heißen sie nun Albert Schweitzer, Jesus oder andere, zu denen wir Zuflucht nehmen, können unsere wunde Seele trösten und stärken. Und wenn uns das hilft ist das gut so. Aber Gewalt und Krieg = organisierte Gewalt, werden weitergehen wenn wir die Augen verschließen vor dem was um uns herum passiert. Wir leben in einer durch und durch sexualisierten, ja pornografischen Welt. Schauen wir mal an, wie mit Frauen umgegangen wird. Politiker in den höchsten Etagen sind in den Sexring um Epstein verwickelt, nicht nur Trump. Können diese Psychopathen, die Kinder sexuell missbrauchen um in ihrem emotionstoten Körper noch einen Kick zu verspüren, können die eine Politik der Gleichberechtigung betreiben? Wäre es ihnen recht wenn die Bevölkerung ähnlich tickt, dann brauchten sie nichts zu verbergen oder zu rechtfertigen? Daran musste ich denken als ich von einem Kinderbuch erfuhr, finanziert vom Berliner Senat u. der EU, das Mädchen zur Prostitution verleitet. Isabel Rohner und Regula Stämpfli, beide hier, haben den Skandal aufgedeckt. Die Gleichstellungsbeauftragte hat bestimmt nicht aus eigenem Antrieb gehandelt. Die Order geht von weit oben aus. In den Schulen gibt es Sexualunterricht, wo Kinder zum sexuellen Experimentieren ermutigt werden. Erotik verkommt zum mechanischen Sex.
In den Medien wird der Frauenkörper zum Kauf von Waren vermarktet. Wir haben uns so daran gewöhnt, dass es uns nicht mehr auffällt. In den 80er/90er Jahren gab es noch eine Protestwelle dagegen, wo ich aktiv war. 1993 hielt ich einen Vortrag „Was ist ein Frauenkörper wert? Vom Lustobjekt zur Pornografie“ Belegt mit vielen Dias. Meine These: Pornografie in den Medien fördert die tatsächliche Gewalt gegen Frauen, weil sie ein Klima schafft, in dem Gewalt gegen Frauen gesellschaftlich akzeptiert wird. Was bedeutet es, wenn weibliche Darstellungen den Männern ständig als sexuelle Stimulation angeboten werden? Im Laufe der Zeit wurden die Abbildungen immer brutaler. Im Titelbild eines Hustler Magazines wird die Frau als ein Stück Fleisch angepriesen, sie wird tatsächlich zu Hackfleisch zermahlen. Der Protest war lautstark. Mehrere Läden entfernten daraufhin die Zeitschrift. Wo ist heute der Protest gegen die millionenfach von Jugendlichen konsumierten Pornovideos?
Der 2-Sterne General Hartmut Harro Renk sagte im Februar 2025 vor seiner Truppe: „Wenn eine Vergewaltigung unvermeidbar ist, entspannen sie und genießen.“ Die Frau als Trophäe im Krieg gibt es seit Homers Ilias. Welche Botschaft an unsere Soldaten? Letzte Woche hörte ich den Journalisten Henningsen in einem Interview sagen, 2015 und 2016 wären viele junge islamische Männer von Österreich in die Ukraine zum Kämpfen geschickt worden, die sich darauf freuten dort viele Frauen vergewaltigen zu können. Das war das Lockmittel, womit sie angelockt wurden.
Die Queer/Trans Perversion – von ganz oben gesteuert, weltweit – ist Teil des Backlashs. In den bekannten Fällen, wo Männer als Frau auftreten, geht es nicht um das Ausleben von weiblichen Eigenschaften. Sie wollen oder sollen, und zwar gewalttätig, den Frauen ihre letzten Freiräume wegnehmen. Fragt Eva Engelken. Denn von Frauenseite funktioniert es nicht: Nehmt eine Fußballerin, die sich stark genug fühlt sich als Mann fühlt, im FC Bayern mitzuspielen. Verlangt sie Einlass würde sie ausgelacht, ja vielleicht sexuell missbraucht. Jugendliche in der Pubertät, verunsichert, die ihre sexuelle Identität finden müssen, werden verlockt zu geschlechtlichen Experimenten. Und die Medizin wittert auch noch einen lukrativen Markt. Früher wurden Jugendliche durch Initiationsrituale auf dem Weg ins Erwachsenenalter begleitet.
Als ich in den letzten Jahren feststellen musste wie unsere Frauennetzwerke sich auflösten, zerstört wurden, war ich verzweifelt. Wohin sind diese Frauen abgewandert, haben sie ihr Frauenbewusstsein abgelegt? Ich streckte meine Fühler aus und stieß auf Euch. [Hier folgen eine Reihe von Namen, die wir nicht veröffentlichen, Anmerkung der Redaktion]
Ich habe euch – alle, die ihr hier seid – kennen und schätzen gelernt, weil ihr euch diesem Lebensrhythmus verbunden fühlt. Und verlasse euch in der Hoffnung, dass ihr mein Lebenswerk weitertragen werdet.
Nachtrag:
Wenn uns die schönen Worte „weiser“ Männer inspirieren sollten wir auch hinter die Kulissen schauen. Wer waren diese Männer im täglichen Leben?
Beispiel Albert Einstein:Zu 90% stammt die Relativitätstheorie von Einsteins brillanter Frau Mileva. Sie studierten beide Mathematik und Physik in Zürich, lebten während des ganzen Studiums zusammen und heirateten. Mindestens 15 Jahre war sie seine intimste und intensivste Gesprächspartnerin. Als er öffentliche Aufmerksamkeit erhält verstößt er sie, läßt sie in Geldnot mit 2 Kindern, eines behindert zurück, vernichtet ihre wissenschaftliche Arbeit und verhindert ihre Memoiren. Einstein: Sie solls Maul halten. Verehrt wird er, als „the greatest scientist who ever lived“ (im McGraw-Hill Reader). Wer kennt sie, Mileva?
